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This is good-bye oder wie man verspricht wiederzukommen

Heute ist der letze Tag und wir weigern uns schon morgens zu seufzen oder gar unter Druck setzten zu lassen, dass heute noch das Außergewöhnliche passieren muß, oder noch schnell 17 touristische Attraktionen mitzunehmen. Also packen wir geschmeidig, trinken unseren Motel-Haus-Kaffee und frühstücken “continental”. Das sind hier zwei eingeschweißte Muffins mit Zimt- oder Bananengeschmack und zwei echte Bananen. Jeder darf selbst interpretieren worin da das “kontinentale” liegt.

Dann macht Andreas der gesamten Anlage klar, dass wir nun losfahren, indem unser Autoschlüssel mit matter Batterie anstatt das Auto aufzuschließen die Alarmanlage ertönen und nicht mehr abstellen lässt. Jedenfalls wissen wir jetzt, dass der Host nach 3 Minuten gucken kommt. Der Parkplatz ist also wirklich bewacht.

Krisch-stink

Kirsch-stink

Burger ist in

Nachdem wir alles mögliche zu Fuß und per Cable-Car gemacht haben, bleibt uns noch die Autofahrt über die berühmte Lombartstreet. Hier entstehen nachmittags endlose Schlangen der Touristen, die alll da runterfahren wollen. Um 12 Uhr ist es aber leer und wir kurven auch mal. Huii. Unsere Karre hat ziemlich tiefliegende Schürzen und wir verzichten auf eine reifenquietschende Abfahrt.

Lombard St

Lombard St

Dann gibt es stilechtes Schnellrestaurant Lunch beim In-n-out-Burger – ganz nach dem Vorbild in Big Lebowski. “Echte Pommes” frisch geschnippelt und Fleisch, das garantiert nicht eingefroren wird, garantiert Qualität und Genuß. Doch –ja–er schmeckt tatsächlich.

Andreas ist völlig begeistert, wie vergnügt alle dort arbeiten. Es wir viel rotiert, sodaß jeder alles eine Zeit lang macht – schnippeln, kassieren, abwischen der Tische, etc.

Hier ist spürbar, dass wir in der Kommunikationsstufe 8 level niedriger liegen. Als ich an einem 4er Tisch höflich frage, ob hier noch frei wäre, werde ich angesehen, als hätte ich meine Unterhosenfarbe gezeigt – eine Antwort bekomme ich nicht. Nun denn, setzte ich mich eben und warte auf Andreas. Ich beobachte, wie ein korpulente Frau für zwei Portionen Pommes 4 Schälchen Ketchup abpumpt, andere pumpen die Pampe direkt auf ihr Tablett – auch eine Möglichkeit.

IN-N-OUT

IN-N-OUT

Ich verdünne eine quietschrosafarbene irgendwie-Grapefruitstückchen-Limo zu einem Drittel mit Wasser und es ist, als lutschte man eine Vitamin-C Brausetablette. Als der Becher nur noch ein Drittel Flüssigkeit aufweist, fülle ich noch mal Wasser nach: kein Effekt – Himmel, was machen die da rein!!??

Parkhaus: 2 $ – das ist für eine Stunde ok, doch wir werden uns steigern!

Smartypants

Wir hatten zwei unabhängige Empfehlungen für einen Laden, der größere Hosen, als für schmächtige 16 Jährige bietet. Also auf und los. Endlich eine Hose mal nicht in schwarz! Wollen Sie mal hineinschlüpfen – er tut es und Bing! Sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Das Jackett, das Andreas noch probiert, ist Wahnsinn. Aber in Anbetracht der noch zu erwartenden purzelnden Pfunde wäre es nicht klug nun zuzugreifen. Wir versprechen wiederzukommen.

Exclusivity is for everyone

Exclusivity is for everyone

Welch ein Gefühl – im Taumel der Freude mit der Tüte in der Hand in ein Starbucks. Andreas will das W-LAN noch mal nutzen um die Dinosaurier-Ausstellungsadresse zu finden. Er kauft eine tolle Service-Karte, mit der er ins Starbucks-W-LAN kommt, aber es tut nicht. beim Nachfragen heißt es trocken, er müsse sich telefonisch freischalten. Seltsam – warum macht man es nicht einfach auf? Na gut. Angerufen, da heißt es man solle auf die Website gehen, um sich anzumelden. HAHA – selten so gelacht. Wenigstens haben sie ohne Weiteres die Karte zurückgenommen. Dann eben per Navi.

Parkhaus: 6$ für zwei Stunden

Das Parkhaus hatte – oh Wunder eine Farblogik, die mit den Knöpfen im Fahrstuhl korrelierte – hach schön, wenn Menschen mal intelligent sind.

Big in Japan

Dann in den Golden Gate Park. Was für schöne Häuser auf dem Weg dorthin – dafür muss man einfach noch mal extra Urlaub machen! Wir versprechen wiederzukommen. Angekommen, stellen wir fest, dass das Museum in einer Stunde schließt, dennoch wollen sie pro Nase 19$. Und das für olle Dino-Gerippe – neee. Wir lustwandeln auf dem riesigen Platz in der Sonne und finden einen japanischen Garten. Da wir eher einen kleinen Vor-Abschiedsblues aufkommen spüren und wir abends Sushi essen wollen, ist das die perfekte Überleitung. Hier erleben wir wieder wie die Welt für uns Platz macht. Wo immer wir hinkamen und wie voll es auch war, ebbten die Ströme ab, gingen die Leute gerade und es schien, als hätte man für uns reserviert. Hier ist es nicht anders. Der Garten hat eine unglaubliche Ausstrahlung – als würde die Außenwelt absorbiert, herrscht eine kühle Gelassenheit, die uns sehr gefällt.

Glockenbrücke

Glockenbrücke

Wir beobachten ein Eichhörnchen, dass der Verkäuferin Nüsse aus der Hand frisst, und dafür extra in den Laden kommt! Bevor der totale Kaufrausch ausbricht verschwinden wir mit einem ulkigen Besteck, dass einerseits Messer und Gabel hat, und auf der anderen Seite als Stäbchen fungiert (eat in every language). Zum Abschluß nehmen wir einen Tee mit Ausblick und wahnwitzige Bohnenpasten-Desserts. Diese milde Süße haut uns einfach um! Dann gehts zurück.

Parkhaus: 5,50$ für 1 Stunde, 37 Minuten -Highscore!

Ein Fast-Unfall mit asiatischer Demut

Die Navi führt uns sicher motelwärts als es passiert. Ein Autofahrer saust Andreas entgegen und mit quietschenden Reifen bleibt uns die Erfahrung als Tourist mit Unfall erspart. Der asiatische Autofahrer versinkt hinter seinem Steuer und starrt in Richtung Zigarrettenanzünder. Seine fast eingefrorenn Demutsbezeugung zeigt uns wie unterschiedlich die Kulturen hier beieinander leben. Einmal kräftig durchatmen und jetzt aber “nach Hause”. Überhaupt kommt der Verkehr mit wenigen Ampeln aus. In den Querstraßen stehen an allen vier Seiten Stopschilder. Dies vermeidet, dass man einfach so durchrasen kann, und es fördert die Kommunikation untereinander. Einer fährt halt und der Rest sortiert sich dann schon.

Sushi shum sheufzen

Um die Klammer perfekt zu machen besuchen wir Ginger & Wasabi als unsere letzte Station. Hier bekommen wir übrigens jedesmal ein Schälchen gekochter, grüner Soyabohnen zum knabbern. Sehr schmackhaft, sollten sie in Berlin auch einführen. Ich kann mich wieder nicht entscheiden und murmel etwas Unverständliches zwischen Deutsch und Englisch. Ich entschuldige mich beim Kellner und sage wir nennen das Germish. Er lacht lauhals auf und freut sich (man bedenke: Germs sind die Bakterien). Dann gibt es eine Achterbahn der Hochgenüsse – also diese Crabmeatschweinereien sind hier einfach der Knaller. Abschließend nochmal irgendwelche “jellyartigen” mild-süßen unbeschreiblichen staubigen Würfelchen. Ein weiterer Grund, um dringend bald wieder zukommen, versprechen wir.

Wenn der Service besonders gut war, legt man einen Dime zur Rechnung. Seit einer Woche habe ich immer welche in der Tasche und wir lassen wieder einen da.

Garageneinfahrt

Garageneinfahrt

Mit Sonnenuntergang spazieren wir zu unserem Domizil. Der Wecker ist gestellt.

Drei Ausstellungen, die wir nicht besucht haben:

  • Big Mammal (und die Dinosaurier), aber die läuft uns nicht weg
  • Das Comic Museum (wir hätten Olga gerne etwas mitgebracht)
  • Das neue Aquarium (ist brandneu und wird noch eine Weile stehen)

Diese Reise war niemals anstrengend und sie war mehr als Urlaub. Wir kommen wieder, versprochen.

Danke Californien, danke San Francisco und danke fürs Mitlesen!

See U soon

just vibrate

just vibrate

Impressionen

Ach, San Francisco, die Fahrt zurück über den Mammutbaumwald war wie eine Schleuse aus einer anderen Dimension zurück. Nun sind wir wieder bereit für das Stadtleben. (Das Seminar muss ich erst verarbeiten, deshalb an dieser Stelle keine Kommentare dazu.)

Andrea fährt

Andrea fährt

San Francisco riecht wirklich anders: überall ein Mix aus Clor, Meeresfeuchte, Reinigungsmittel und ein bisschen künstliches Vanillearoma, wenn man von der Küste und aus dem Wald kommt, fällt das besonders auf.

Motel in SF

Motel in SF

Apropos Vanille: unser Mietauto „stinkt sauber“ – irgendetwas verteilt sich scheinbar durch die Klimaalage. „Wer darauf hofft, dass die Karre mal „normal“ riechen wird, sollte sich baldmöglichst davon verabschieden.“ So dachte ich, doch nach nunmehr acht  Tagen ist das Rätsel gelöst: es war ein Kirschstink im Handschuhfach! – d.h. ein Dufttannenbäumchen in Form einer Kirsche mit dem penetrantesten künstlichen Geruch, den ich je in einem Auto gerochen habe.

traffic lights

traffic lights

Auch die Geräuschkulisse ist völlig anders hier. Die ersten Tatütatas in der Stadt habe ich anfangs gar nicht ernst genommen: ein surreales Empfinden, als hörte jemand zu laut einen amerikanischen Film -  ach nein – ich bin ja vor Ort… Dies bekommt nun Normalität, auch dass hier immer etwas summt und brummt. Selbst im stillsten Nationalpark brummte von Ferne ein Generator – bestimmt konnte hier ein Ranger nicht auf seine Eismaschine verzichten. Ach und apropos Skunktrain – wir hatten auf der Strecke dreimal das Vergnügen einen verwesenden Skunk auf der Straße zu sehen – und zu RIECHEN. Pest, ist ein gutes Wort dafür – wenn man sich vorstellt angespritzt und eingehüllt in seinem Sekret zu stehen, kommt mir der Morgenkaffe hoch – bedenke – dieser lag draußen im Freien und war tot und wir hatten die Fenster zu!!

Apropos Kaffee -  jetzt geht’s ins Golo nebenan  zum Frühstück…

See you around folks!

Der Weg nach Mendocino

Heute mal ein Mix von Andrea und mir – meine Kommentare in Kursiv

Bye bye, baby, good bye…

Heute wird gepackt, denn es geht nach Mendocino – wer will kann ja noch mal den Song dazu hören.

Unser erster San Francisco Abschnitt ist nun schon wieder Geschichte. Heute wurden die Koffer gepackt und nach dem Auschecken ging es erst mal wieder zu John ins Golo.

Frühstück wieder im Golo. Ich muß mich korrigieren, Jack heißt John. Kann ja mal passieren. Er begrüßt uns mit „Welcome home, folks“. Wir verleibten uns jeweils ein schmackhaftes CheeseOmlett mit Mushrooms ein, dazu Süß- und normale Kartoffeln. Und dann philosophierten wir ausgiebig mit John. Und wieder haben wir eine satte Stunde Zeit zum Quatschen, über die Verschwendungssucht der Amis, Umwelt- und Klimaprobleme und welche Vorzüge das Konkurrenzkonzept hat. Später auch noch wie die Krise nun ebenfalls in SF ankommt, denn hier stehen viele Wohnungen frei, und was hier so Apartements kosten.

Yadiyadiyah…steht bei John für unser Blablabla – ich werde es in meinem Leben nicht vergessen. Wir versprechen wiederzukommen – Sonntags hat er auch abends auf. Wir verabschieden uns und John lernt unsere verwirrenden Namen. Dann packt uns John zwei süße Stücke ein – für unterwegs. Mann, was für ein Mann!

Drive safely

Die Navi konnte erst partout keinen Satelliten finden, aber die 101 in Richtung Golden Gate Bridge finde ich nun beim dritten Besuch auch ohne Karte oder Navi.

Nun auf die Piste, alles ist ein bisschen vernebelt, auch die Golden Gate Bridge. Nach einer viertel Stunde melden sich meine beiden Kaffees (jajajaja…) und wir stellen fest, dass es auch jenseits der Autobahn nett sein kann – und tanken.

Die Küstenstraße ist ein Paradies für Motorradfahrer – hügelig, schnell und kurvig. Andreas kommt auch auf den Geschmack und gurkt und kurbelt fleißig. Ich habe die Kamera im Anschlag und mühe mich der vorbeirasenden Landschaft das eine oder andere Motiv abzutrotzen. Andreas kommentiert: „Hier gibt es jede Menge Gegend“ und er hat Recht.

Vier Fotos, die ich nicht gemacht habe:

  • Ein vier Meter langes gemaltes Holzplakat eines übergroßen Walfisches, das gerade als Auftragsarbeit für irgendein Museum, Café oder sonstiges Gebäude zum Trocknen aufgebockt in der Sonne steht
  • Ein Woodpecker mit seinem etwas albernen Häubchen, der frech auf der Straße sitzt und erst im letzten Moment abhebt
  • Zwei majestätische uralte Bäume, die mit langen Bärten da stehen, als würden sie seufzend den Fortgang der Welt beobachten und dabei die Meeresluft in ihre Nadeln einschaukeln
  • Acht überlebensgroße verrostete Dinosaurier einer Baumschule, wobei der T-Rex ein Schild um den Hals trägt auf dem steht „SMILE“

Bodegabodeagbodega

Dann kommt irgendwann Bodega Bay, ja, da wo sie „Die Vögel“ gedreht haben. Wir fahren allerdings nicht durch den Ortskern, sondern außen rum. Ein Vorort dazu ist die Geisterstadt Bodega-Dingsbums mit atemberaubendem Blick auf das Meer weiter unten.

Die Navi hatte sich beruhigt – nur habe ich wahrscheinlich das Zigaretten-Anzünder-Kabel entweder in Berlin vergessen – oder in den Untiefen des Koffers vergraben. Jedenfalls landeten wir in einer sehr merkwürdigen Siedlung – entweder hat jemand Häuser auf einem Golfplatz gebaut – oder der Golfplatz wurde in den Häuserlücken angelegt – wie auch immer. Ein Rundweg mit Bewachung am Eingang leitet von grauem Haus zu grauem Haus.

Die Amis beweisen hier mal wieder, dass nichts unmöglich ist, auch nicht in einem Golfplatz zu wohnen. Grau-grüne Häuser ducken sich wie Bungalows vor dem Wind und drücken sich in die leicht hügelige Landschaft, die mit wilden Buschgärten verziert werden. Dazwischen die Putting-Stellen des Golfplatzes. Hier ist das Sortiment der Verkehrsschilder um eine weitere Besonderheit ergänzt worden: Achtung! Kreuzende Caddies. Ich schätze die Glaser-Branche hat hier ein gutes Auskommen.

Golf

Golf

Wir legten danach an einer kleinen Hafen-Mall an, die spielend den Beweis erbrachte, dass man auch mit großer Mühe und viel Aufwand einen unsympathischen Ort kreieren kann. Da ich die berühmte Schule schon gesehen hatte – und da eben ein Haus steht, das man mit Mühe wiedererkennt, haben wir uns dann den Rest der kleinen Stadt geschenkt – bloß weg hier :)

Where I lay my head…

Eine halbe Stunde bevor wir in Mendocino ankommen sollen, gibt die NAVI ihren batteriebetriebenen Geist auf. Macht aber nix, es gibt hier eh nur eine Straße. Und dann sind wir da: eine kleine Holzhäuser-Fakestadt, wie wir sie im Musterhauspark in Frankfurt-Offenbach oder in der Westernecke im Heidepark Soltau nicht anders nachbilden würden. Ich bin begeistert-fassungslos wie puppig die Häuschen wirken und kann mich gar nicht wieder beruhigen.

Green House

Green House

Die hölzernen Wassertürme zwischendrin geben dem Ganzen den letzten überzeugenden Hinweis, dass hier möglicherweise nur gedreht wird. Nein, die Menschen machen hier nicht Urlaub in ihren Ferienhäusern, sie LEBEN hier. Sagenhaft. Dann halten wir Ausschau nach unserer Bleibe. Sie ist Blau-weiß und das Tor in eine andere Zeit. Als wir unser Zimmer betreten bemerken wir, dass wir vergessen haben uns umzuziehen – Andreas fehtl der Anzug, der Vatermörder und die Lackschuhe, ich suche vergebens meine Korsage, den „Cul de Paris“ (das ist der ausgestopfte, modische Hintern im Kleid) und die Hutnadeln.

Was für ein Haus! Das MacCallum House Inn ist ein Haus von 1882 (wobei ich nicht ganz sicher bin, ob es nicht doch nur die Hausnummer ist :) ) Durch das frühe Buchen hält sich der Sachschaden in Grenzen – und der Preisabstand vom, nennen wir es vorsichtig “einfachen”, Motel zum diesem Haus ist auch nicht sooo groß.
Wie schon in Schottland bekamen wir ein Upgrade – das Glück verfolgt uns offenbar :) Und so sitzen wir nun in einem schnuckligen Zimmer – allerdings direkt über einer Lüftung, die uns das Gefühl gibt, eine Schiffsreise gebucht zu haben. Bis jetzt ist es ok – wenn nicht wird halt gewechselt.

Aber ansonsten ist das Zimmer wie es sein soll: Holzmöbel, Paradekissen, Spitzenvorhang, gestickter Duschvorhang und altertümliche Lampen. Wir grinsen uns an und finden, dass wir es hier sieben Tage wohl aushalten werden.

Morgen werden wir von Zehenschuhen berichten – seid gespannt :)

Lombard – Chestnut – ExplOratorium

Erstaunlich wie man sich an Straßenlärm gewöhnt. Ab punkt 6 Uhr startet der Verkehr, als würden alle ihre Garagen zeitgleich öffnen und ab geht’s. In der ersten Nacht wurde ich von diesem erdbebenartigen Geröhre geweckt – nach vier Nächten ist der Spuk vorbei.

Go Go Golo!

Wieder die Frühstückfrage: gehen wir zum bekannten, liebgewonnenen Ort, oder wagen wir etwas Neues? Wir schauen uns an und entscheiden – neu!

Also die Chestnut wieder runter, ein paar Querstraßen weiter und wieder rum: hier wird fast nur gewohnt. Hmm…also wieder zurück? Nein, im Zweifel wird am Golden Gate Park etwas eingenommen. Und dann werden wir wieder belohnt. Wir finden das Golo!

Klein, hübsch, seeeehr gepflegt und sympathisch. Kunst hängt an den Wänden und die Karte sieht viel versprechend aus. Der Wirt kommt gleich mit Eiswasser – huuuu, das auf nüchternen Magen und einem Streifen „Kuchenbrot“ als Appetizer. Ein Latte, der ausgezeichnet schmeckt – feine Streifen von dunkel bis hell, man fragt sich wie die Maschine das macht.

Ich frage warum Golo? Ich vermute irgendetwas Afrikanisches oder so, denn er ist ein gut aussehender afro-amerikanischer Hüne mit einem unschlagbar sympathischen Lächeln. Bei der Namensfindung seien sie drauf gekommen: Goughstreet/ Ecke Lombard – so ist der Name gleichzeitig Orientierungshilfe wo es sich befindet. Hach, einfach smart.

cafe golo

cafe golo

Befragt wo wir herkommen – der Standardsatz zu Beginn eines Smalltalks, der sich aber schnell verdichtet – antworten wir wahrheitsgemäß und er bohrt weiter und checkt, ob das Blödsinn ist, was wir erzählen. Er stellt grinsend zufrieden fest, dass unsere Story stimmt. Andreas zeigt ihm wie er Quadrupels auf seinem Iphone macht und er ist tief beeindruckt.

Ich frage ihn, ob er schon lange da ist, weil alles so neu wirkt. Nach 3 Minuten Geplänkel kommt die Geschichte, wie Jack seinen Maler fand, der nicht nur Ahnung, sondern auch Geschmack mitbrachte (sein briefing war ungefähr so: stell dir vor der Laden ist eine Frau, in die du verliebt bist und du willst sie zum Essen einladen und ihr die Welt zu Füßen legen – was für eine Vision!). Unversehens plaudern wir nach unserem Frühstück weiter – ein fantastisches Omelett übrigens mit Pilzen, Bratkartoffeln und Kürbis (!) fein gewürzt und gar nicht pampig und ich bekomme eine große, frische Blaubeerwaffel mit einer Orangenscheibe, wie ich noch nie eine Orange geschmeckt habe. Qualität ist das, was bei ihm zählt, erzählt Jack später – wir bestätigen, dass wir das als Deutsche gut verstehen – er lacht. Fast eine halbe Stunde quatschen wir so und wir fühlen uns schon richtig zu Hause. Er verabschiedet uns per Handschlag (eine Auszeichnung und ein großes Stück Intimität jenseits von „have fun“ und „enjoy your stay“). Morgen gehen wir da noch mal hin, denn wir haben total vergessen ein Foto von Jack zu machen.

Beschwingt marschieren wir weiter und zählen die Motels. Es ist beeindruckend wie viele es allein auf dieser Straße gibt. In einem hübschen fragen wir nach dem Preis für unsere Rückreise – diese wechseln nämlich täglich – auch gut zu wissen.

In der Zeitung las ich beim Frühstück eine Anzeige: ein Motelzimmer für 130 $ pro Woche (!) mit einem Gemeinschaftsbad. Da kann man so langsam abschätzen, was hier eine Zweizimmerwohnung oder gar ein Haus kostet. Und überhaupt – manche Häuser sind soooo pittoresk und man kauft die Autos passend zur Hausfarbe!

Pink house

Pink house

Ich will doch nur spielen –  oder: A Child’s Delight – oder : Was Frau Naurath wirklich glücklich macht

Beinahe hätte mich das Spielzeuggeschäft verschluckt und nie wieder herausgegeben. So eine Fülle von netten, unterhaltsamen Kleinigkeiten – abgesehen vom üblichen rosa-Pferde-glitzer-Prizessinnen-Schmock – das macht Laune. Wer hätte gedacht, dass in amerikanischen Puppenhäusern keine Menschen-Familien wohnen, sondern MÄUSE!? Oder Eichhörnchenfamilien oder Hunde oder PANDAS?? Fantastisch. Vielleicht hätte ich doch Mathe ins Abitur genommen, wenn ich die Kopfrechnen-Matrix gehabt hätte? 12 -7 = ? Drück auf den Knopf, und da steht das Ergebnis (gibt es auch als Multiplikationshilfe).

Andrea im "A Child's Delight"

Andrea im "A Child's Delight"

Schuhbinder

Schuhbinder

Bei beginnendem Lachflash beim Blick in den Ratgeber „How to never grow up -Encyclopedia of Immaturity“, zahlt Andreas und schleift seine kichernde Ehefrau hinaus bevor Schlimmeres passiert.

Nur gucken – nix kaufen!

Und dann entdecken wir das Schöneberg von San Francisco. Ein hübscher Laden nach dem anderen, Hundeladen, Babyladen, einen Candyladen- jaaaa! – und ein weiterer Applestore. Also testen wir, ob die iPads hier auch funktionieren. Sie tun es und ich probiere noch schnell ein Spiel aus: den Vorgarten vor Zombies verteidigen – eine äußerst knuffige Comicästhetik…ich fürchte ich muss es dann mal haben…

Andrea im Candyladen

Andrea im Candyladen

Candy Jars

Candy Jars

Wir eisen uns los und marschieren zum Hafen, das Zehlendorf von SF mit einem Hauch Blankenese vielleicht. Topgepflegte Häuser mit großen getönten Scheiben, klar, hier bretzelt erbarmungslos die kalifornische Sonne in die Bude. Ohne die Scheiben würde das Sofa nach vier Wochen aussehen wie eine Kukident-2Pasen Tablette: vorne blau und hinten weiss.

Und wir sind froh, dass wir unsere Nasen eingeschmiert haben…

ExplOratorium

Dann kommen wir am Museum an. Ein technisches Museum zum Ausprobieren. Da ich vor 12 Jahren im Monteray Bay Aquarium begeistert eine halbe Stunde lang die Schwarmfische im Meeresstrom gekurbelt hatte, befürchtete ich Schlimmes. Deshalb blieben wir eng zusammen, damit mich Andreas nicht suchen müsste. Horden von Kindern verteilen sich angenehm in der riesigen Halle. Eine Unzahl von robust gebauten, intelligenten Stationen beschäftigen uns drei Stunden non-stop und wir haben weniger als ein Drittel ausprobiert.

Ring

Ring

Man in the mirror

Man in the mirror

Sand

Sand

Die Amis haben es echt drauf Kurzanleitungen zu schreiben! Unsere drei Favoriten?

Andreas:

  1. Mit einer superstarken Blitzanlage Schattenrisse auf eine riesige Wand zaubern
  2. Eine „Hologramm-Tasse“ mit einer Lampe anleuchten können, obwohl sie nur eine Spiegelung ist
  3. In ein lila Licht gucken und sehen wie das Blut durch das Auge fließt (habe ich ausgelassen – örks)

Andrea:

  1. Auf einer Präzisionswaage „sehen“ wie Wasser verdampft
  2. Zu einem vorproduzierten Hörspiel die Soundeffekte machen (besonders schön war eine Soldatenkompanie = 24 Holzklötzchen an Fäden auf einer Platte „marschieren“ lassen)
  3. Mit einem winzigen Magneten an einer Schnur einen schweren, hängenden Betonklotz so zu bewegen, dass er ins Schwingen kommt

Eine viertel Stunde bevor das Museum schloß, gröhlten alle Mitarbeiter an ihren Ständen, dass nun bald Schluß sei – herrlich – mehr Krach als alle Kids zusammen, und Raus! Ach, und was steht am Ausgang bereit? Ein Riesenspender Sanitizer – denn wir haben ja viel ANGEFASST – iiiihhhh….

Don’t pat the duck

Auf dem Rückweg laufen wir an einem stimmungsvollen Teich vorbei. Mummy sagt zum kleinen zombieartig herumtorkelnden Kind: „ Don’t pat the duck!“ Tja, Mutti, es war leider ein Schwan – macht ja nix…

Noch einen sensationallen Kaffee im The Grove.

Und einen letzten Gang in den Buchladen – gefäääährlich, schaffen es aber ohne Einkauf wieder raus – puuh!

Im Motel angekommen, dampfen die Socken. Eigentlich wollten wir noch mal los, aber unsere letzten beiden Biere und ein kurzer Gang über die Straße für ein Sandwich und Chips tun es auch. Ahhh….Prost und gute Nacht.