Nein, Ihr seid nicht im Nachtprogramm gelandet. Hier die trotz Bildstabilisator etwas wackligen Bilder von der Fahrt mit der Skunk Train.
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Oh wei – was ein Wetter. So richtig fieser Sprühregen.
Point Cabrillo Light Station
Ich wollte aber dennoch nicht nur in der Bude hocken und machte mich auf den Weg zur Point Cabrillo Light Station. Da draußen pfiff der Wind und Regen so richtig um meine Ohren – wie gut dass ich eine Jacke mit Kapuze dabei hatte. Ja, ja, es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur die falsche Kleidung.
Vor eigentlichen Lighthouse gab es noch eine kleine Ausstellung, deren Motto mir gut gefiel:
Und so etwa sehen die Lampen in dem Lighthaus aus:
Und so das ganze in Aktion (ggf. mal anklicken):
Ich denke, man erkennt auch gut das dufte Wetter…
Ich habe mir ein Foto von Jim Moorehead gekauft – auf seiner Site sieht man auch, wie das bei gutem Wetter aussehen kann…
Ich hatte genug von der Dauerdusche und versuchte in Fort Bragg noch mal mein Glück mit dem USB-Ladegerät. Als ich bei Computer Solutions eintraf, wurde gerade über den Umstieg von Mac zu PC philosophiert – und wie schwer das sei, und was man alles bedenken müsse – OMG. Ich gab mir große Mühe nicht weiter hinzuhören. Schon irre, wie sich der Mythos von dem ach so komplizierten Datenaustausch zwischen Mac & PC hält – und das in einer Zeit, in der es eh immer unwichtiger wird, was für ein Betriebssystem ein Rechner hat… Und warum man von Mac auf PC umsteigt??? PC gibt’s doch beim Mac quasi dazu…
Auf jeden Fall hatten sie so einen Adapter, den ich für $12 erstand – und funzt wunderbar: nie mehr eine tote Navi, nie mehr ein toter iPod oder ein totes iPhone – im Auto jedenfalls. Nun fehlt uns nur noch das Auto, zu Hause meine ich
Etwas entnervt vom Wetter besorgte ich mir noch Studentenfutter und begab mich wieder ins Hotel.
MendoKINO
Dort fiel mir ein Flyer mit einer Liste von Filmen, die in und um Mendocino gedreht wurden in die Hände.
1954 wurde hier z. B. East of Eden (Jenseits von Eden) mit James Dean gedreht – da ist praktisch der ganze Ort zu sehen.
Und von 1984-1989 drehte Angela Lansbury hier neun Episoden von Murder, She Wrote. (Mord ist ihr Hobby)
The Killing Time mit Kiefer Sutherland und Beau Bridges hat sogar das Lighthouse auf dem Filmplakat, womit sich der Kreis wieder schließt… Werde ich mir mal ansehen, kann mich jedenfalls nicht erinnern, den mal gesehen zu haben…
Am Abend gelang mir dann noch ein Foto von Mendocino aus:
Die Sonne hat mir heute den einen oder anderen Streich gespielt – ich hatte jedenfalls das Gefühl, immer wenn ich draußen bis – ist sie weg.
Dafür habe ich aber den Rusty Blackbird erwischt – musste ihn etwas herausvergrößern, aber immerhin..
Am Morgen musste ich bei diesem Anblick aber erst mal an Rolf-Stephan denken:
Van Damme
Nein, nicht Jean-Claude: Charles! Nach ihm wurde der Park nämlich benannt. Ich war schon etwas enttäuscht, als ich an der Einfahrt feststellen musste, dass der Trail leider geschlossen war. Aber die Park-Rangerin (oder wie sagt man zu einem weiblichen Ranger?) gab mir gleich den Tipp, es doch mal auf der Little River Airport Rd zu versuchen.
Größere Kartenansicht
Ich wurde also nicht mit dem Problem allein gelassen, sondern es wurden mir Alternativen angeboten.
Und so stapfte ich durch den Pygmy Forest, das sind soetwas wie Bonsais, die aber durch natürliche Umstände einstanden sind. Sieht schon recht merkwürdig dort aus:
Ich bin recht tief reingegangen – war recht anstrengend, aber dafür auch wunderschön.
Dazu ein etwas wackliger iPhone-Film:

Ich bin noch etwas mit dem Wagen rumgegurkt – und dabei habe ich auch mal Mendocino in Gänze fotografieren können:
Ich habe die ersten Foto-DVDs als Backup nach Hause geschickt – mal sehen wann die ankommen…
Russian Gulch State Park
Weiter ging es in Richtung Russian Gulch State Park der auch offen war und acht Dollar Eintritt kostete.
Aber es war wunderschön dort. Auf dem Camp Ground traf ich auch den Camp Host. Der macht dort ehrenamtlich seinen Job, ein Rentner der Spaß daran hat, in diesem schönen Tal zu wohnen und dem Park zu pflegen. 1960 war er in Berlin stationiert – ist schon erstaunlich wie oft, man Menschen trifft, die mal in Deutschland stationiert waren…
Der Regen kam wieder zu mir – nach ein paar Fotos gings zurück nach Mendocino.
Mit Jaime und Andrea ließen wir den Tag im North Coast Brewing Co. ausklingen – bei einem Blue Star, Red Seal Ale und Fish & (Garlic-)Chips. Ein Superladen mit einer tollen Bedienung.
Am Hotel angekommen hörten wir erstmals die Frösche – was wir sonst wg. der Anlage im Haus nicht mitbekamen. Hier mal eine kleine Hörprobe: frogs
Kommt ein Vogel geflogen – oder auch zwei oder drei…
Zum Frühstück entzückte uns ein Vogelnest direkt vor unserem Fenster, wo eine Vogelmutter eifrig dabei war, die Kleinen zu füttern.
Überhaupt ist die Vogelwelt hier verzückend – alles etwas schwer zu fotografieren, aber gut zu beobachten. Ein sehr schwarzer Vogel macht ein unwahrscheinlich merkwürdiges Geräusch – es klingt wie ein Seufzer mit dem Ton eines Wassertropfens gemischt – ulkig. Ich habe Ewigkeiten damit verbracht, den Vogel im Netz zu finden, bin aber fündig geworden: Rusty Blackbird heißt der Vogel. Auf flickr gibt’s ein Bild von ihm. Ebenfalls beim Frühstück sahen wir ein Mountain Quail Paar – die mit dem lustigen Puschel am Kopf
Da tut sich ja eine völlig neue und offenbar sehr reichhaltige Welt auf – Birdwatching…
Ich hoffe, mir gelingen noch einige Fotos von dem einen oder anderen Vogel…
Shopping
Heute wurde aus dem Fotografieren allerdings nicht so viel, da es wirklich ausgiebig regnete. Ich beschloss ein paar DVDs zum Sichern der Fotos zu besorgen – wie sich heraustellen sollte, hier ein erstaunlich schwieriges Unterfangen. Außerdem machte ich mich auf die Suche nach einem USB-Ladegerät für den Autozigarettenanzünder, da ich tatsächlich das Ladekabel in Berlin vergessen habe – grummel.
Den einzigen Laden in Mendocino, der sowas haben könnte habe ich nicht gefunden – ich kannte allerdings auch die Adresse und den Namen nicht – werde ich morgen mal angucken gehen: Mac Mender heißt der Laden, wie ich nun weiß.
Ich hatte mir mit Google ein paar Adressen in Fort Bragg herausgesucht. Fort Bragg liegt etwa zehn Meilen nördlich von Mendocino und ist die nächste “richtige” Stadt von hier aus.
Computer Solutions sollte es sein, es liegt in einer Ladenzeile neben einer Yoga-Schule und einem Restaurant. Diese Ladenzeilen wirken für mich immer etwas unecht, sieht alles nach schlechter Kulisse aus. Und leider stand auf der etwas eigenen Website (gehen bei euch die Bilder?) auch nicht, dass montags geschlossen ist.
Ich hatte ein Safeway in der Nähe gesehen und versuchte dort mein Glück. Von DVDs war weit und breit nichts zu sehen, dafür lockte mich FINN, mir eine Packung Goldfish Baked Snack Crackers zu kaufen – werde ich später mit Andrea ausgiebig testen. Und damit die Eltern ruhigen Gewissens bleiben können, gibt es extra eine Site Fishfulthinking.com mit facebook-Anbindung – hier wird aber auch nichts ausgelassen
Ich frage extra noch mal nach und wurde auf einen anderen Laden in der Nähe verwiesen. Ich muss überhaupt sagen, hier sind alle an einer schnellen Lösung für den Kunden interessiert – auch wenn es den Kunden zum Mitbewerber führt. Ich habe schon mehrfach gute Tipps bekommen – hier heißt es nicht “Das können wir ihnen bestellen…” oder einfach nur “ham wa nich”. Gefällt mir gut – und wenn ich hier wohnen täte, würde ich sicher immer wieder gern zu dem Geschäft mit den freundlichen Mitarbeitern zurückkehren!
In nächsten Laden wurde ich dann erstmal Zeuge einer Invasion – bestimmt 15 Leute fielen mit Handscannern über die Regale her. Aha, hier wurde Inventur gemacht – von einem extra Dienstleister der NUR Inventuren macht – wieder was gelernt…
Ich drängelte mich zwischen zwei emsigen Inventören (oder wie auch immer die heißen mögen – eigentlich schon fast was für Falsche Pluräle…) hindurch und musste mich fast auf den Boden legen, um an die DVD-Rohlinge zu kommen – aha, das ist hier also “Bückware“.
Und weil ich ein paar Kopfschmerztabletten einkaufte, bekam ich gleich die aktuelle Form der Rabattmarken in meine Tüte gelegt. Na mal gucken, eine Weile sind wir ja noch hier.
Ein Ladegerät für einen iPod hätte ich bekommen können – für USB erst mal nichts gefunden…
Ansonsten war es heute ruhig und entspannend – ein typischer Regentag also.
Oder besser Nebel des Graus.
Das Wetter lud nicht eben zum Fotografieren ein, und so konnte ich mich um Dinge wie dieses Blog oder um unsere Wäsche kümmern.
Nachdem es dann doch etwas sonniger wurde, zog es mich dann doch raus und ich landete erstmal im Discount Binoculars. Dort wurde ich zur Begrüßung für meine coole Brille gelobt – die schaffen es sehr gut hier, einen zu “bauchpinseln”. Als mich dann noch der Fachmann für mein Manfrotto-Stativ lobte, war ich so gut drauf, dass ich gleich LensCleaningPaper und eine zweite CF-Carte kaufte. Und der Besitzer meinte noch, falls ich mein Manfrotto zerstören sollte, hätte er auf jeden Fall auch welche
Mendocino Headlands State Park
Ich lief stundenlang die Küste ab – einige Ergebnisse meines Ausfluges hier:
Das ganze erinnert mich stark an Darkshore aus WoW. Ich denke, die BLIZZARD Entwickler haben sich auch von der Kalifornischen Küste inspirieren lassen. Auf jeden Fall wunderschön.
Etwas exhausted strandete ich wieder bei Frankie’s , diesmal musste eine Smugglers dran glauben. Andrea wurde später nicht müde zu bemerken, dass da ja wirklich viel Knoblauch drin gewesen sein muss – wobei Andrea da eigentlich nicht so empfindlich ist
Sie fragen einen ja immer beim Bestellen nach dem Namen, damit sie einen rufen können, wenn das Essen fertig ist – und der offenbar frisch angestellte Kellner machte aus Andreas Elias…
Bei Frankie’s war heute außerdem noch Open Mic Night. Die zum Laden gehörende erste Sängerin gab sich recht viel Mühe, ich war aber doch froh, als sich so gegen 6:00 PM weitere Interpreten in die ausliegende Liste eintrugen und dann auch recht schön sangen.
Frankie hatte ich vorher schon beim Einkauf im Bioladen getroffen – und sein Sohn teilte mir dann auch gleich mit, dass er mich vorhin bei Corners of the mouth gesehen hat – na ja, ich falle wohl schon mit meiner Statur hier einigermaßen auf
Ansonsten kann man hier die Wettervorhersage getrost in der Pfeife rauchen – das Wetter wird gut – oder auch nicht. Ich habe das Gefühl, die kommen nicht mal mit dem protokollieren des aktuellen Wetters hinterher. Nun, ich werde es ja im Zweifel merken.
Wobei ich zugeben muss, dass der Hinweis, es handele sich hier eben nicht um einen Aschenbecher schon sinnvoller ist, als das Schild aus Berlin…
Ein leckerer Vanilla Latte im Moodys Organic Coffee Bar
Heute mal ein Mix von Andrea und mir – meine Kommentare in Kursiv
Bye bye, baby, good bye…
Heute wird gepackt, denn es geht nach Mendocino – wer will kann ja noch mal den Song dazu hören.
Unser erster San Francisco Abschnitt ist nun schon wieder Geschichte. Heute wurden die Koffer gepackt und nach dem Auschecken ging es erst mal wieder zu John ins Golo.
Frühstück wieder im Golo. Ich muß mich korrigieren, Jack heißt John. Kann ja mal passieren. Er begrüßt uns mit „Welcome home, folks“. Wir verleibten uns jeweils ein schmackhaftes CheeseOmlett mit Mushrooms ein, dazu Süß- und normale Kartoffeln. Und dann philosophierten wir ausgiebig mit John. Und wieder haben wir eine satte Stunde Zeit zum Quatschen, über die Verschwendungssucht der Amis, Umwelt- und Klimaprobleme und welche Vorzüge das Konkurrenzkonzept hat. Später auch noch wie die Krise nun ebenfalls in SF ankommt, denn hier stehen viele Wohnungen frei, und was hier so Apartements kosten.
Yadiyadiyah…steht bei John für unser Blablabla – ich werde es in meinem Leben nicht vergessen. Wir versprechen wiederzukommen – Sonntags hat er auch abends auf. Wir verabschieden uns und John lernt unsere verwirrenden Namen. Dann packt uns John zwei süße Stücke ein – für unterwegs. Mann, was für ein Mann!
Drive safely
Die Navi konnte erst partout keinen Satelliten finden, aber die 101 in Richtung Golden Gate Bridge finde ich nun beim dritten Besuch auch ohne Karte oder Navi.
Nun auf die Piste, alles ist ein bisschen vernebelt, auch die Golden Gate Bridge. Nach einer viertel Stunde melden sich meine beiden Kaffees (jajajaja…) und wir stellen fest, dass es auch jenseits der Autobahn nett sein kann – und tanken.
Die Küstenstraße ist ein Paradies für Motorradfahrer – hügelig, schnell und kurvig. Andreas kommt auch auf den Geschmack und gurkt und kurbelt fleißig. Ich habe die Kamera im Anschlag und mühe mich der vorbeirasenden Landschaft das eine oder andere Motiv abzutrotzen. Andreas kommentiert: „Hier gibt es jede Menge Gegend“ und er hat Recht.
Vier Fotos, die ich nicht gemacht habe:
- Ein vier Meter langes gemaltes Holzplakat eines übergroßen Walfisches, das gerade als Auftragsarbeit für irgendein Museum, Café oder sonstiges Gebäude zum Trocknen aufgebockt in der Sonne steht
- Ein Woodpecker mit seinem etwas albernen Häubchen, der frech auf der Straße sitzt und erst im letzten Moment abhebt
- Zwei majestätische uralte Bäume, die mit langen Bärten da stehen, als würden sie seufzend den Fortgang der Welt beobachten und dabei die Meeresluft in ihre Nadeln einschaukeln
- Acht überlebensgroße verrostete Dinosaurier einer Baumschule, wobei der T-Rex ein Schild um den Hals trägt auf dem steht „SMILE“
Bodegabodeagbodega
Dann kommt irgendwann Bodega Bay, ja, da wo sie „Die Vögel“ gedreht haben. Wir fahren allerdings nicht durch den Ortskern, sondern außen rum. Ein Vorort dazu ist die Geisterstadt Bodega-Dingsbums mit atemberaubendem Blick auf das Meer weiter unten.
Die Navi hatte sich beruhigt – nur habe ich wahrscheinlich das Zigaretten-Anzünder-Kabel entweder in Berlin vergessen – oder in den Untiefen des Koffers vergraben. Jedenfalls landeten wir in einer sehr merkwürdigen Siedlung – entweder hat jemand Häuser auf einem Golfplatz gebaut – oder der Golfplatz wurde in den Häuserlücken angelegt – wie auch immer. Ein Rundweg mit Bewachung am Eingang leitet von grauem Haus zu grauem Haus.
Die Amis beweisen hier mal wieder, dass nichts unmöglich ist, auch nicht in einem Golfplatz zu wohnen. Grau-grüne Häuser ducken sich wie Bungalows vor dem Wind und drücken sich in die leicht hügelige Landschaft, die mit wilden Buschgärten verziert werden. Dazwischen die Putting-Stellen des Golfplatzes. Hier ist das Sortiment der Verkehrsschilder um eine weitere Besonderheit ergänzt worden: Achtung! Kreuzende Caddies. Ich schätze die Glaser-Branche hat hier ein gutes Auskommen.
Wir legten danach an einer kleinen Hafen-Mall an, die spielend den Beweis erbrachte, dass man auch mit großer Mühe und viel Aufwand einen unsympathischen Ort kreieren kann. Da ich die berühmte Schule schon gesehen hatte – und da eben ein Haus steht, das man mit Mühe wiedererkennt, haben wir uns dann den Rest der kleinen Stadt geschenkt – bloß weg hier
Where I lay my head…
Eine halbe Stunde bevor wir in Mendocino ankommen sollen, gibt die NAVI ihren batteriebetriebenen Geist auf. Macht aber nix, es gibt hier eh nur eine Straße. Und dann sind wir da: eine kleine Holzhäuser-Fakestadt, wie wir sie im Musterhauspark in Frankfurt-Offenbach oder in der Westernecke im Heidepark Soltau nicht anders nachbilden würden. Ich bin begeistert-fassungslos wie puppig die Häuschen wirken und kann mich gar nicht wieder beruhigen.
Die hölzernen Wassertürme zwischendrin geben dem Ganzen den letzten überzeugenden Hinweis, dass hier möglicherweise nur gedreht wird. Nein, die Menschen machen hier nicht Urlaub in ihren Ferienhäusern, sie LEBEN hier. Sagenhaft. Dann halten wir Ausschau nach unserer Bleibe. Sie ist Blau-weiß und das Tor in eine andere Zeit. Als wir unser Zimmer betreten bemerken wir, dass wir vergessen haben uns umzuziehen – Andreas fehtl der Anzug, der Vatermörder und die Lackschuhe, ich suche vergebens meine Korsage, den „Cul de Paris“ (das ist der ausgestopfte, modische Hintern im Kleid) und die Hutnadeln.
Was für ein Haus! Das MacCallum House Inn ist ein Haus von 1882 (wobei ich nicht ganz sicher bin, ob es nicht doch nur die Hausnummer ist
) Durch das frühe Buchen hält sich der Sachschaden in Grenzen – und der Preisabstand vom, nennen wir es vorsichtig “einfachen”, Motel zum diesem Haus ist auch nicht sooo groß.
Wie schon in Schottland bekamen wir ein Upgrade – das Glück verfolgt uns offenbar
Und so sitzen wir nun in einem schnuckligen Zimmer – allerdings direkt über einer Lüftung, die uns das Gefühl gibt, eine Schiffsreise gebucht zu haben. Bis jetzt ist es ok – wenn nicht wird halt gewechselt.
Aber ansonsten ist das Zimmer wie es sein soll: Holzmöbel, Paradekissen, Spitzenvorhang, gestickter Duschvorhang und altertümliche Lampen. Wir grinsen uns an und finden, dass wir es hier sieben Tage wohl aushalten werden.
Morgen werden wir von Zehenschuhen berichten – seid gespannt
Da ja Andrea heute die Chronistenpflicht übernommen hat, widme ich mich mal speziellen Dingen, die mir bemerkenswert erscheinen.
WiFi
Als iPhone-Besitzer bin ich natürlich immer auf der Suche nach freien WiFis – wir sagen dazu WLAN. Die Abdeckung könnte besser sein – auf der anderen Seite findet man wirklich viele freie WiFis hier in San Francisco. Und die Namen, der WiFis, die man hier so zu sehen bekommt, sind auch vom Feinsten:
Was ich aber wirklich bemerkenswert finde, sind die Spezialangebote, die ich nur schwer nachvollziehen kann.
Im The Grove zum Beispiel darf man pro $5 Verzehr eine halbe Stunde surfen – und das nur mit Login & Passwort, welches man beim Bestellen erhält.
Wieder andere nehmen $5 die Stunde – ohne Verzehr – und so weiter und sofort. Und in manche WiFis kann man sich einloggen – nach wenigen Minuten fliegt man dann raus – und das WiFi ist nicht mehr zusehen – skurril…
Ein WiFi-basierter Internetzugang war doch mal für Berlin geplant, oder? Oder auch nicht… Nun, es wäre gerade für Touristen aus dem Ausland hochinteressant gewesen. Und sein privates WiFi bzw. WLAN einfach so zugänglich zu machen, kann ja in Deutschland äußerst problematisch sein.
Ich frage mich auch, wann die Hotels in Europa begreifen, dass ein freies WLAN ein Attraktor für potentielle Gäste ist – und Preise wie etwa 20,-€ pro Tag einfach irrwitzig sind und selbst Businesskunden in die Arme von UMTS-Stick-Anbietern treibt, wo man sich für 20,-€ bis 30,-€ im Monat jeglicher Zugangsprobleme ins Netz entledigt.
Latte
Latte? Ja, gemeint ist der Latte Macciato, der hier aber ohne Macciato auskommen muss – ein Macciato ist hier ein starker, schwarzer Kaffee. Aber: Wie spricht man ihn aus?
Late, Latte, Lahtie, Lahteh, Lättie, Lätteh – ich habe es noch immer nicht herausgefunden – gestern hätte ich beinahe einen Icetea bekommen
. Wenn ich dann mehrere Latte-Varianten vorbete, wird mir auf jeden Fall immer eine neue Art Latte auszusprechen präsentiert. Aber so ist das eben hier. Bei San Jose sagt man ja auch „Sann chosee“ und nicht „Sän Johssie“, wie uns John aus dem Golo einleuchtend erklärte.
Dauerwerbung auf längerem Papier.
In einer Regionalzeitung sah ich eine interessante Idee für Holzmedien: Über das normale Format hinaus, legt man ein Blatt ein (also vier Seiten), das etwas länger ist – und auf dem zusätzlich gewonnenen Platz, platziert man einen Banner (also eigentlich vier) der die ganze Zeit beim blättern sichtbar bleibt – fast wie ein BannerAd bei der Online Werbung. Vielleicht gibt’s das ja auch bei uns – ist mir aber noch nicht aufgefallen…
Reviews im Buchladen
Ich meine mich zu erinnern, dass es Buchkritiken der Buchhändler am Regal hier schon „immer“ gibt. Auf jeden Fall eine nette Idee und eben sehr individuell. Und so sieht das dann aus:
Self-Service
Das man sein Essen bezahlt und man mit einer Nummer auf dem Tablett loswackelt gibt es bei uns auch vereinzelt, hier ist das aber sehr häufig der Fall – im SFMOMA sieht das z.B. so aus:
Erstaunlich wie man sich an Straßenlärm gewöhnt. Ab punkt 6 Uhr startet der Verkehr, als würden alle ihre Garagen zeitgleich öffnen und ab geht’s. In der ersten Nacht wurde ich von diesem erdbebenartigen Geröhre geweckt – nach vier Nächten ist der Spuk vorbei.
Go Go Golo!
Wieder die Frühstückfrage: gehen wir zum bekannten, liebgewonnenen Ort, oder wagen wir etwas Neues? Wir schauen uns an und entscheiden – neu!
Also die Chestnut wieder runter, ein paar Querstraßen weiter und wieder rum: hier wird fast nur gewohnt. Hmm…also wieder zurück? Nein, im Zweifel wird am Golden Gate Park etwas eingenommen. Und dann werden wir wieder belohnt. Wir finden das Golo!
Klein, hübsch, seeeehr gepflegt und sympathisch. Kunst hängt an den Wänden und die Karte sieht viel versprechend aus. Der Wirt kommt gleich mit Eiswasser – huuuu, das auf nüchternen Magen und einem Streifen „Kuchenbrot“ als Appetizer. Ein Latte, der ausgezeichnet schmeckt – feine Streifen von dunkel bis hell, man fragt sich wie die Maschine das macht.
Ich frage warum Golo? Ich vermute irgendetwas Afrikanisches oder so, denn er ist ein gut aussehender afro-amerikanischer Hüne mit einem unschlagbar sympathischen Lächeln. Bei der Namensfindung seien sie drauf gekommen: Goughstreet/ Ecke Lombard – so ist der Name gleichzeitig Orientierungshilfe wo es sich befindet. Hach, einfach smart.
Befragt wo wir herkommen – der Standardsatz zu Beginn eines Smalltalks, der sich aber schnell verdichtet – antworten wir wahrheitsgemäß und er bohrt weiter und checkt, ob das Blödsinn ist, was wir erzählen. Er stellt grinsend zufrieden fest, dass unsere Story stimmt. Andreas zeigt ihm wie er Quadrupels auf seinem Iphone macht und er ist tief beeindruckt.
Ich frage ihn, ob er schon lange da ist, weil alles so neu wirkt. Nach 3 Minuten Geplänkel kommt die Geschichte, wie Jack seinen Maler fand, der nicht nur Ahnung, sondern auch Geschmack mitbrachte (sein briefing war ungefähr so: stell dir vor der Laden ist eine Frau, in die du verliebt bist und du willst sie zum Essen einladen und ihr die Welt zu Füßen legen – was für eine Vision!). Unversehens plaudern wir nach unserem Frühstück weiter – ein fantastisches Omelett übrigens mit Pilzen, Bratkartoffeln und Kürbis (!) fein gewürzt und gar nicht pampig und ich bekomme eine große, frische Blaubeerwaffel mit einer Orangenscheibe, wie ich noch nie eine Orange geschmeckt habe. Qualität ist das, was bei ihm zählt, erzählt Jack später – wir bestätigen, dass wir das als Deutsche gut verstehen – er lacht. Fast eine halbe Stunde quatschen wir so und wir fühlen uns schon richtig zu Hause. Er verabschiedet uns per Handschlag (eine Auszeichnung und ein großes Stück Intimität jenseits von „have fun“ und „enjoy your stay“). Morgen gehen wir da noch mal hin, denn wir haben total vergessen ein Foto von Jack zu machen.
Beschwingt marschieren wir weiter und zählen die Motels. Es ist beeindruckend wie viele es allein auf dieser Straße gibt. In einem hübschen fragen wir nach dem Preis für unsere Rückreise – diese wechseln nämlich täglich – auch gut zu wissen.
In der Zeitung las ich beim Frühstück eine Anzeige: ein Motelzimmer für 130 $ pro Woche (!) mit einem Gemeinschaftsbad. Da kann man so langsam abschätzen, was hier eine Zweizimmerwohnung oder gar ein Haus kostet. Und überhaupt – manche Häuser sind soooo pittoresk und man kauft die Autos passend zur Hausfarbe!
Ich will doch nur spielen – oder: A Child’s Delight – oder : Was Frau Naurath wirklich glücklich macht
Beinahe hätte mich das Spielzeuggeschäft verschluckt und nie wieder herausgegeben. So eine Fülle von netten, unterhaltsamen Kleinigkeiten – abgesehen vom üblichen rosa-Pferde-glitzer-Prizessinnen-Schmock – das macht Laune. Wer hätte gedacht, dass in amerikanischen Puppenhäusern keine Menschen-Familien wohnen, sondern MÄUSE!? Oder Eichhörnchenfamilien oder Hunde oder PANDAS?? Fantastisch. Vielleicht hätte ich doch Mathe ins Abitur genommen, wenn ich die Kopfrechnen-Matrix gehabt hätte? 12 -7 = ? Drück auf den Knopf, und da steht das Ergebnis (gibt es auch als Multiplikationshilfe).
Bei beginnendem Lachflash beim Blick in den Ratgeber „How to never grow up -Encyclopedia of Immaturity“, zahlt Andreas und schleift seine kichernde Ehefrau hinaus bevor Schlimmeres passiert.
Nur gucken – nix kaufen!
Und dann entdecken wir das Schöneberg von San Francisco. Ein hübscher Laden nach dem anderen, Hundeladen, Babyladen, einen Candyladen- jaaaa! – und ein weiterer Applestore. Also testen wir, ob die iPads hier auch funktionieren. Sie tun es und ich probiere noch schnell ein Spiel aus: den Vorgarten vor Zombies verteidigen – eine äußerst knuffige Comicästhetik…ich fürchte ich muss es dann mal haben…
Wir eisen uns los und marschieren zum Hafen, das Zehlendorf von SF mit einem Hauch Blankenese vielleicht. Topgepflegte Häuser mit großen getönten Scheiben, klar, hier bretzelt erbarmungslos die kalifornische Sonne in die Bude. Ohne die Scheiben würde das Sofa nach vier Wochen aussehen wie eine Kukident-2Pasen Tablette: vorne blau und hinten weiss.
Und wir sind froh, dass wir unsere Nasen eingeschmiert haben…
ExplOratorium
Dann kommen wir am Museum an. Ein technisches Museum zum Ausprobieren. Da ich vor 12 Jahren im Monteray Bay Aquarium begeistert eine halbe Stunde lang die Schwarmfische im Meeresstrom gekurbelt hatte, befürchtete ich Schlimmes. Deshalb blieben wir eng zusammen, damit mich Andreas nicht suchen müsste. Horden von Kindern verteilen sich angenehm in der riesigen Halle. Eine Unzahl von robust gebauten, intelligenten Stationen beschäftigen uns drei Stunden non-stop und wir haben weniger als ein Drittel ausprobiert.
Die Amis haben es echt drauf Kurzanleitungen zu schreiben! Unsere drei Favoriten?
Andreas:
- Mit einer superstarken Blitzanlage Schattenrisse auf eine riesige Wand zaubern
- Eine „Hologramm-Tasse“ mit einer Lampe anleuchten können, obwohl sie nur eine Spiegelung ist
- In ein lila Licht gucken und sehen wie das Blut durch das Auge fließt (habe ich ausgelassen – örks)
Andrea:
- Auf einer Präzisionswaage „sehen“ wie Wasser verdampft
- Zu einem vorproduzierten Hörspiel die Soundeffekte machen (besonders schön war eine Soldatenkompanie = 24 Holzklötzchen an Fäden auf einer Platte „marschieren“ lassen)
- Mit einem winzigen Magneten an einer Schnur einen schweren, hängenden Betonklotz so zu bewegen, dass er ins Schwingen kommt
Eine viertel Stunde bevor das Museum schloß, gröhlten alle Mitarbeiter an ihren Ständen, dass nun bald Schluß sei – herrlich – mehr Krach als alle Kids zusammen, und Raus! Ach, und was steht am Ausgang bereit? Ein Riesenspender Sanitizer – denn wir haben ja viel ANGEFASST – iiiihhhh….
Don’t pat the duck
Auf dem Rückweg laufen wir an einem stimmungsvollen Teich vorbei. Mummy sagt zum kleinen zombieartig herumtorkelnden Kind: „ Don’t pat the duck!“ Tja, Mutti, es war leider ein Schwan – macht ja nix…
Noch einen sensationallen Kaffee im The Grove.
Und einen letzten Gang in den Buchladen – gefäääährlich, schaffen es aber ohne Einkauf wieder raus – puuh!
Im Motel angekommen, dampfen die Socken. Eigentlich wollten wir noch mal los, aber unsere letzten beiden Biere und ein kurzer Gang über die Straße für ein Sandwich und Chips tun es auch. Ahhh….Prost und gute Nacht.



































































