*Ding-Ding* Der CableCarDay

*Ding-Ding*? Das ist das wunderbare Klingeln, mit dem der Conductor und der Driver kommunizieren. Und das war heute definitiv angesagt.

Gefrühstückt haben wie heute mal nicht im NfU – ooch mal was anderes sehen… – also gab’s Pancake und French-Toast im Chestnut Diner

Da Andrea heute mal Bloglust hatte, hier ihre Eindrücke vom heutigen Tag:

Vormittags
Sich einpuzzlen, ersten Kaffee im Bett trinken.
Dann rüber zum Frühstück. Andreas braucht obligatorische Pancakes ich probiere das Frenchtoast mit Bacon.
Irgendwie schmeckt das Ganze „dezent“ – fad zu sagen wäre unfair, aber meine Geschmacksknospen suchen nach topografischen Orientierungspunkten. Manchmal fehlen mir einfach Höhen und Tiefen.
Die asiatische Bedienung schlägt uns vor, uns zu fotografieren – im Hintergrund dudelt Klassikradio – ein aparter Mix.
Andrea & Andreas im Chestnut Diner

Andrea & Andreas im Chestnut Diner

Heute ist Cable Car Tag. Wir laufen Richtung Station, stöbern durch einen Künstlerbedarfladen und erfreuen uns an einer pfiffigen Öltubenaufhängung im Regal. Der Fahrer macht ebenfalls dienstbeflissen ein Foto von uns und gratuliert Andreas zu seiner hübschen Frau.
CableCar

CableCar

Dann überlegt er es sich anders und schlägt mir vor, Andreas an einer günstigen Stelle abzuwerfen, um mit ihm den Urlaub fortzusetzen und die Lebensversicherung mitzunehmen. Hach ja, der Humor – an jeder Ecke, wenn man hinschaut – manche Leute sind einfach „zum Sammeln“.
Cable Car Driver

Cable Car Driver

Auf dem Union Square spielt eine dufte spanische Band, die ins Blut geht. Spanisch, ein bisschen Ska mit Trompete und einfach sockig im Rhythmus. Kein Wunder es ist ja auch The Cure – ach nee LoCura. Vor 12 Jahren war hier der Cable Car Bell Ringing Contest, gesponsert von Rice-a-Roni. Hier geht also immer was.

Shoe Shining

Shoe Shining

Im Macy’s keine Hosen für Andreas, obwohl wir schon bei den „Relaxed“ Größen schauen – fantastisch, wie die Amis immer noch einen Euphemismus parat haben – für Mollige klingt dagegen doch einfach nur plump.
Retail or Smile
Nach einem kurzen, aber heftigen Kaufrausch macht sich Erschöpfung breit und wir brauchen eine Kaffee und was zum Sitzen! An der Rolltreppe steht eine Obdachlose mit Zeitungen und einem Becherchen. „Retail or Smile“ ist ihr Slogan. Kaufen oder lächeln. Ich beobachte sie eine halbe Stunde, wie sie Menschen zum Lächeln bringt, ein Schwätzchen mit einer unbekannten Spenderin hält, free hugs verteilt, zwei beladenen Touris den Fahrstuhl zeigt und einen Kinderwagen einige Stufen hinunter trägt. Diese Frau ist eine Straßenentertainerin mit einer Präsenz, wie ich sie mir von manchen GZSZ Darstellern wünsche. Ich gönne ihr jeden Dollar Spende und sage ihr das auch, worauf sie einen Arm um mich legt und Andreas auffordert ein Foto zu machen.
Retail or Smile!

Retail or Smile!

heißt übersetzt Landeplatz und ist eine lange Bahnhofshalle, heute mit vielen wunderschönen Verkaufsständen: Blumen, Töpferwaren, exotischen Pilze, Bioladen (!) Sie alle schreien Kauf hier, jetzt ALLES! sodaß wir uns fragen: Fed Ex oder Augen zu und weg?
Embarcadero

Embarcadero

Berliner, die hier Bomboloni heißen – tsss die Amis. Die italienische Verkäuferin kennt sie aus München….do schau her…
Bomboloni

Bomboloni

Die Antikhändlerin vom Culinaire bringen wir im Handumdrehen ins Quasseln; sie erzählt von ihrer Sehnsucht mal Berlin zu sehen und dass sie selbst ihr Appartement mit Leuten aus anderen Ländern tauscht. Auf diese Weise fährt sie regelmäßig nach Kawaii und wundert sich, dass sie uns so viel erzählt. Nachdem wir uns verabschiedet haben, muß sie sich schnell verwirrt in ihr Büro zurückziehen und sich erholen.

Embarcadero San Francisco
Embarcadero San Francisco
Was wäre San Francisco ohne Apple Store? Eine blasse, hinterwälderische Stadt ohne Höhepunkte. Genau! Der eben noch fußlahme Mann kann wieder laufen und ist – schwupp – schon drin, ehe ich ipad sagen kann. Und es dauert nur Sekunden, da sehe ich mich auf dem kleinen Tablett lächeln und ein Kunde fragt fasziniert wie das geht. Andreas befindet sich unversehens in einem undercover Beratungsgespräch und erklärt dem überforderten Mann wie man iphone, sein Blog und das ipad so miteinander nutzt, dass einem die Kinnlade herunterfällt. Gegenüber versucht es ein Schweizer ebenfalls seiner Frau zu vermitteln, allein er hat kein iphone und er wiederholt druckvoll mit weichen Augen 3x: „s’isch eifach nur gail!“. Oben hält ein junger Applemitarbeiter seinen Vortrag über Programmdetails. Hach wenn das unsere Studenten sehen könnten! Leicht, professionell, unterhaltsam, kein einziges ähm – saaagenhaft. Kleine technische Pannen werden souveränst überbrückt und es klingt kein bisschen abgenudelt, obwohl er das garantiert nicht zum  ersten Mal macht. Und wer sitzt auf den Kinostühlen und schreibt mit? Eine Klientel von 65 plus!!! Ja, von wegen, Computer ist schon lange keine Domäne der Jungen mehr. Chapeau. Na guut, Andreas darf eine iphone Station haben und dann aber RAUS!
Andrea mit iPad

Andrea mit iPad

Andreas mit IPad

Andreas mit IPad

Abendessen in Chinatown
So ganz mutig waren wir nicht, denn den Schrömmelladen, der eher einer Wartehalle glich und aus der es sehr befremdlich roch, war uns doch noch eine Spur zu authentisch – vielleicht beim zweiten Anlauf. Eine Straße weiter gab es ein für unser Empfinden vertrauenserweckenderes Etablissement: Hop Sing Tong – heisst vielleicht soviel wie „Hoffnung seiner Zunge“ oder so ähnlich.
Hop Sing Tong

Hop Sing Tong

Roter Tee zur Begrüßung bereitete dem seine Zunge vor, dann folgte eine Suppe mit Lotosstücken. Sagen wir, wenn man getrocknete Mu-Err-Pilze eine Stunde mit einer getragenen Socke einweicht, kommt man dem Geschmack recht nahe – in diesem Fall eher sockig im Abgang. Dann gab’s ein Pfund Reis für jeden –  ungelogen! In Andreas’ Fall mit Fisch und Shrimps farbig aufgelockert und mit einzeln verlesenen Erbsen und Eierflecken geradezu optisch aufgeheitert. In meinem Tontopf kamen Pilze und Hühnerteile dazu. Ein Pilz wirkte wie ein Stück getrocknetes Fleisch und schmeckte auch ähnlich, der Rest war unspektakulär, was wir vom Nachtisch nicht sagen konnten. Einmal was mit Bohnen und einmal was mit Sesam. Erwartet hatten wir irgendwelche Dumplings – also gedämpfte Klößchen.
Was kam, waren zwei weitere dampfende Suppen. Die eine erinnerte an eine Erbsen-Linsensuppe, die etwas dünn geraten war, die andere an eine Vulkanschlacke, die man besser als medizinische Anwendung auf die Füße streicht. Und doch – es war – interessant.
Utopia Cafe

Utopia Cafe

Die Schlacke erinnerte an ungesüßtes Kakaopulver –  wobei die Schwärze Auge und Zunge beträchtlich verwirrte. Die Linsensuppe war mild-süßlich, wobei eine Bohnensorte – wenn man auf sie biss – die Erinnerung daran weckte, wie man als Kind zum ersten Mal auf einer Mandarinenschale kaute.
Nachdem die radebrechende Kellnerin unseren 20 Dollarschein von 1998 doof fand und einen neueren haben wollte (die Scheine sehen heute tatsächlich etwas anders aus), kam die jüngere, assimilierte Kellnerin und schnackte noch eine Weile über das Ausland und ihren Geschichtsunterricht in China. Dort kannte man Deutschland, England und USA –  in der Reihenfolge. Und in Deutschland sind alle sehr schlau. Aha. Auch sie träumt von Berlin, also luden wir sie zu uns ein. Sie gab uns ihre Emailadresse und versprach uns in zwei Jahren zu besuchen. Wollen wir wetten…? Wir hoffen wirklich, dass sie kommt.
Draft zum Entspannen
Es war fünf vor sieben und der Wirt ärgerte sich, dass doch noch vor Ende der Happy Hour ein Gast kam –  nicht, dass er herausgekommen wäre! und es ist tröstlich, dass im Dienstleistungshimmel auch ein paar falschtönende Harfenspieler unterwegs sind. Mit einem Stella Artois und einem Blue Moon (mit Deko-Orange „Ja bin ich denn ein Tequila?“ rief empört das Bier) im abendlichen Sonnenschein auf der Straße bezeugten wir eine Reihe von mindestens 6 gelben Taxis hintereinander, ein Heraushupfen des Stromabnehmers des Busses, und eine verrückt gewordene Horde asiatischer Teenies beim Überqueren einer Straße. So ließen wir den Abend ausklingen und fuhren ein letztes Mal mit der Cable Car zurück.
Chinese Cable Car Sign

Chinese Cable Car Sign

3 Antworten zu “*Ding-Ding* Der CableCarDay

  1. Jörg Gudehus

    Hach wie schön es ist euren Erlebnisen zu folgen. Vor allem da ich jeden Ort wiedererkenne den ihr beschreibt.
    Ich hab jetzt doch viel Fernweh nach SF bekommen. Und hoffe das ich nächstes Jahr auf der WWDC wieder dabei bin.

  2. Rita Naurath

    Hallo, Ihr Lieben,
    danke für Eure wunderbaren Berichte und Fotos. Wir haben wirklich das Gefühl, als wären wir bei der Reise dabei.
    Liebe Grüße, die LT’s und Sisko

  3. Sabine Lüßenhop

    Gaaanz wunderbar!! Herzlichen Dank – ich freu mich auf weitere Bilder und Geschichten. 🙂

    Liebe Grüße aus Berlin

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