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America goes green, ade San Francisco und wie übersteht man sein Heimweh nach der Ferne, bevor man abgereist ist?

Aua, aua, bald ist unsere USA-Magie vorbei, die letzten 48 Stunden laufen. Was macht man in so einer Zeit? Action? Romantik? Heulen? Von allem ein bisschen, wie bei einem guten Eis.

Wie Versprochen stellen wir uns um 11 Uhr bei John ein, aber es stehen schon Wartende auf der Straße (remember: wait to be seated!). Ich gehe rein und lasse John wissen, dass wir um 13 Uhr wieder kommen werden und wir wandern wieder zur Union St. Der Franzose hat es uns angetan und ein üppigs, schweineleckeres Frühstück erwartet uns. Die Früchte! OMG (steht für Oh My God). Wer hier je eine Avocado gekostet hat, findet alles, was wir in D-Land bekommen fad. Ich bedaure jeden Kalifornier, der (lukullisch gesehen) in D-Land leben muss. Als hätte man einem die Zunge rausgeschnitten. Nie habe ich etwas für Honigmelonen übrig gehabt. Das, was hier auf meinem Müsli sitzt, wird mir das Leben in Europa erschweren.

Braune Servietten, grüner Waschservice, Emissionsfreier Bus, man gibt sich alle Mühe. Dennoch in SF gibt es einen blinden Fleck: den Heizpilz. Nach dem Motto „Heizen für die Welt“ ist es bei dem frischen Wind eine Wohltat darunter seinen Kaffee zu schlürfen. Ökologisch nicht korrekt, aber gemütlich. Genau so machen wir es, als wir John um eins besuchen. PB leitet uns aufs Patio. Oops, das war uns neu! Im Hinterhof ein 5 Tische Platz mit dem gemeinen Gartenzeltling, um Schatten zu schaffen. John wieder busy, aaaber glücklich. Er versorgt uns mit Kaffee, wir gestehen, wir hätten gefrühstückt, aber er fordert uns auf hier zu sitzen und die Aussicht zu genießen. Wir bloggen und schicken euch Texte. Nachdem die letzten Gäste gegangen sind, können wir noch ein wenig philosophieren. Auch hier unmöglich alles zu erzählen, aber in a nutshell: egal woher wir kommen und was mir machen: wenn es von Herzen kommt, sind wir alle gleich. Was für ein Abschluß!

Packen im Motel – puh, alles passt rein. Gute Nachricht. So was nun? Erst Salat oder Picknick am Hafen? Hach noch zu Ende bloggn. Gesagt, getan. Dann noch den Salat mit der zum vorerst letzten leckereren Avocado des Lebens.

Es windet. Also dicke Jacke an. Hafenspaziergang & Tschüss Skyline. Die Golden Gate Bridge verhüllt sich im Nebel, um keine Abschiedstränen zu zeigen. Dramatische Himmelsbilder – Shakespeare für die Augen.

Zurück zum Hotel? – nein. In den Bus, um noch ein Bier in Chestnut zu trinken.

Im Grove, das uns Monika aus Berkeley vor zwei Jahren gezeigt hat, noch einen Absacker nehmen. Wir philosophieren über das, was wir gelernt haben auf dieser Reise und uns erfasst uns etwas Eigenartiges. Wie in Worte fassen? Unmöglich! Die entzückende Bedienung bringt uns einen aufgewärmten Cookie (wie vor zwei Jahren/ Schauer), weil wir so süß sind. Sie ist berührt, dass das unser letzer Abend ist und sagt, wir sollen hierbleiben, wir würden hierher gehören. Das ist nun das dritte Mal, dass wir das hören. Puh…. Im Hintergrund fährt ein Skateboardfahrer seinen Doggie Gassi. Mann, was für eine Stadt. Noch ein Püramid oder Pairamid? Unsere Klugscheisser überlegen, wie es ausgesprochen wird. Egal.

Ich entsorge auf dem Rückweg mein Kleingeld bei einem Homeless. Im Hintergrund schlurft jemand, der mit perfekter Frisur und einem Päckchen unterm Arm seine ersten drei Wochen als Obdachloser erlebt. Er versucht noch elegant dabei auszusehen. Harte Kontraste, und damit meine ich nicht nur die Lichtverhältnisse. Wir machen uns auf den Rückweg. Hangeln uns von Busstation zu Busstation, weil noch 15 Minuten bleiben. Im Bus ( so sagt das Schild) werden Passagiere unter 18 Jahren mit Spraydosen und Eddings im Gepäck bestraft, übrigens steht auf einem anderen Schild, dass „your photographs & voice may be recorded“ – würde sagen, Facebook ist ein *** dagegen. Gleich „zu Hause“ Oops, nun habe ich es doch gesagt.

Nun ist Andreas auf der Jagd nach dem letzten Sixpack Rolling Rock, weil wir uns noch nicht mit schlafen beschäftigen wollen. Scheisse, sind wir in diese Stadt verknallt. Es kämpfen alle Selbste um Aufmerksamkeit: der Romantier, der Abschiede hasst, der Abenteurer, der hier ein neues Leben starten will,  der Trotzige, der am liebsten den Flug verpassen würde, der Vernünftige, der weiß, dass die Regeln befolgt werden müssen….

Keine Sorge wir kommen zurück, aber diese Reise wird Konsequenzen haben. Drei Lieder im Kopf – „Mendocino“, „Straßen von San Francisco“ und „All the leaves are brown….“ Mit einer Träne im Knopfloch: bye bye…und das Nebelhorn vom Hafen heult mit uns um die Wette.

Sinnliche Sause durch drei Welten

Sinnliche sause durch drei Welten

Kaloriensparfrühstück: Banane, denn heute sind wir zum Lunch verabredet. Doch zuerst geht es in den Mission District um Stoff für Silke zu suchen. Wir haben nicht genug Münzen für die Parkuhr und ich gehe in einen Juwelenladen, um zu tauschen. Die Tür ist verschlossen und wird durch einen Summer erst geöffnet als man mich wahrnimmt – nur ein weiterer Kunde im Laden. Ich bringe mein Vorliegen vor und die Verkäuferin holt extra eine Rolle Münzen, um mir weiterhelfen zu können. Wir geben uns eine Stunde für die Mission in Misson.

Die Mission ist sowas wie Neukölln mit mindesten vier Obdachlosen pro Straße mit einem über allem liegenden Duft von Urin und Mittagessen. Als wir bei einem Räucherstäbchenverkäufer vorbeikommen, und der Dauergeruch für einen Moment aussetzt, kommt mir der Gedanke, dass die Erfindung der Räucherstäbchen verschiedensten Zwecken diente und die Überdeckung der schlimmen Gerüche wohl das wesentlichste Merkmal darstellt. Unvergessener Anblick: eine ca 25 Jährige Obdachlose schiebt ihr bewegliches zu Hause (Einkaufswagen) vor sich her, perfekt pink gefärbte und toupierte Frisur. Eine Mischung aus Gothik und Punk, die in Kreuzberg ihresgleichen gesucht hätte.

Es reihen sich Pawnshops (Pfandleihen) aneinander. Eine seltsame Mischung aus Gitarren und Schmuck und Werkzeugen beherbergt als Abteilungen in einem Laden. Sie sind nicht vergittert, wie in manchen Filmen dargestellt, aber es liegt eine potentielle Überfallsstimmung in der Luft (oder ist das die Projektion meiner Vorsicht?). Ich denke an Frau Pospischil und frage nach Plektrons, die hier „Picks“ heissen. Ham wa nicht, aber jehene se mal gegenüba. So ungefähr die Antwort auf sanFranciscisch. Tatsächlich im nächsten Pawn werden wir fündig und der Verkäufer/Umtauscher/Pawnman mit fast-ZZtop Bart (nicht in der Länge aber Dichte) erzählt uns er sei in Hamburg geboren und sein Bruder dort verheiratet. (ein Stimmchen schreit in meinem Kopf „Story, alter!!“, aber wenn schon – war ein nettes Schwätzchen).

Dann gibt es einen frischen Donut für Andreas. Das Essen sieht gut aus, auch die Gemüseläden stehen unseren türkischen Märkten in nicht nach, haben nur mehr Kakteen im Angebot und heissen „Mi Ranchito“, grob übersetzt „Unsre kleine Farm“, hihi.

Der Stoffladen ist voll und riecht zur Abwechslung so muffig wie Deko Behrend, wer den kennt. Also den Geruch. Leider keine Markenstoffe.  Also wieder raus. Wir drehen noch eine kleine Runde, nehmen ein paar schöne Fotos von Häuserkunst mit und fahren zurück zum Motel. Kurzer Umzug – Sonnencreme. Ich sehe mittlerweile aus wie frisch aus dem Skiurlaub: blasse Augen und Stirn wegen dem Pony und die Wangen braun, so braun das eben bei einem Hüttenkäse wie mir eben geht. Herr Naurath hat keine Probleme in indischen Restaurants mehr, man ist nur über seinen Akzent verwundert. Die Lunchplanung gestaltet sich um, telefonieren ist hier unbezahlbar, deshalb simsen wir, aber der Hunger hat mich fest im Griff. Mit dem Bus nach Chestnut auf einen Cesars  Salad (Ich bin süchtig danach, aber den besten hat bisher Heike gemacht). Dann mit Bus & DingDing nach Chinatown. Auf einem Platz gibt es ein chinesisches Open Air Konzert. Dorrt sitzen ca 15 ältliche Herren und musizieren, während ein Herr und eine Dame die Gesangsparts abwechseln. Was es war und worum es geht, entzog sich unserer Kenntnis. Jedenfalls kam und ging man pinkeln, eine Bratsche später dazu. Offenbar ist es am Wochenende möglich ohne große Regeln mitzumusizieren. In unseren ungeübten Ohren war die Instrumentalisierung sowieso nicht beurteilbar. Die Familie stößt zu uns und wir beobachten die Kinder auf dem nahegelegenen Spielplatz. Sofort werden Bekanntschaften auf dem Klettergerüst gemacht. Ein 7jähriges Mädchen hangelt sich mit unglaublicher Eleganz und gelangweilten Gesicht die Sprossen entlang. Wir stellen fest, dass sie schon Sandalen mit 3cm hohen Absätzen trägt – Suri ist im Alltag angekommen. Vorfreude für kommende Orthopäden Generationen.

Dann ein bisschen Hügel rauf und runter mit dem über allem schwebenden Getrockneter-Fisch-Geruch und irgendwas Strenges, das mich an DDR Plastik von früher erinnert, aber irgendwie auch typisch chinesisch riecht. Vielleicht existieren die einstmals gemeinsamen Produktionsstätten heute noch…

Nach einer Weile gibt’s Kaffee auf dem Union Square mit Jazz im Hintergrund. Dann heisst es Abschied nehmen. Wir wollen nichts versprechen, aber vielleicht geht der nächste blog von Australien los…

Mit dem Bus zurück zum Motel. In drei Sprachen (Englisch, Spanisch, Chinesisch) werden Sicherheitshinweise per Ansage durchgegeben. „Sitze frei geben, aufpassen beim Aussteigen, Grafiittis melden, festhalten“. Mein kabarettistisches Gehirn entwirft 28.000 Ideen, was man den Fahrgästen noch so mitgeben könnte…

Abschluss am Abend: Sushi delight. Wir gehen in „unseren“ Lieblingsladen. (Der Kugelfischvorhang ist ein Insidergruß an Michéle). Die Serviererin erinnert sich lebhaft an uns (soweit das Japanerinnen können) und dankt, dass wir wiederkommen..Sie hatte beim letzten Mal Andreas’ Bier über ihr eigenes Tshirt gekippt und war untröstlich. Wir waren froh, dass sie vor Scham nicht auf der Stelle Harakiri begangen hatte. Um so schöner war es diesmal und auch unfallfrei. Nach einem vollkommenen Mahl der weiteren Bliss Kategorie wanderten wir sakeseelig zum Motel. Vorletzte Nacht. Ein bisschen zu müde zum Schreiben, ließen wir die letzten Rolling Rocks zum Fisch hinabgleiten und empfahlen uns unseren Träumen.

Kontraste und Erlebnisdichte – mehr geht nicht an einem Tag

Frühstück bei John, nach dem wir 20 Minuten angestanden haben, der Platz wird immer beliebter. John hat zu tun und wir wollen ihm nicht auf den Wecker gehen. Sonntag kommen wir wieder. Dann rin ins Auto zum Golden Gate Park. Hatte ich erwähnt, dass man beim Tanken Fernsehen gucken kann? WTF

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In der Academie of Science mit Erdbeben Experience:

Elektronik überall. Am Eingang werden keine Eintrittskarten mehr abgerissen, sondern gescannt und gepiept. Dann gleich zur Rumpelecke.

Man ist doch gewahr, dass das nächste Erdbeben kommen kann und wird. Die Ausstellung wirbt und prepariert für und auf Selbstschutz, Versicherungen und Massnahmen für Haus und Hof. In einem Haus simuliert man das Rumpeln. Wir erleben ein drittel der tatsächlichen Bebenzeit ca. 30 Sekunden. Aus dem Zusammenhang gerissen mag das kurz sein; wenn Du aber in einem Haus bist und nicht weißt wie lange das so gehen wird, währen dir Schutt und Staub auf den Kopf prasselt, ist das sicher eine andere Sache. Das Foto zeigt Andreas im Beben und ist NICHT verwackelt!

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Das Museumsgebäude ist riesig und endlich sind wir mal drin, was ja beim letzten Mal nicht geklappt hat, da konnten wir nur das spacige Dach von aussen bewundern. Wie um Himmels Willen finden wir die D.s? Als wir aus dem Wackeldackel kommen, wer sitzt draussen auf der Bank beim Picknick? It’s magic again! Die Baby-Straußen haben Sport draußen. In einem Gehege werden sie sanft geschoben und geknufft, damit sie nicht stehen bleiben und sich die Beinmuskulatur bildet wie auf einem Schild erklärt wirt. Sie selbst finden das albern und doof und „Schlaubi“ (der mit dem gelben Fussring) schafft es immer wieder die kürzeste Kurve zu gehen.

Dann in die Botanik-Bubble. Da fliegen auf drei Stockwerken die Schmetterlinge frei herum und landen manchmal 20cm vor der Hand auf dem Geländer. Ich fühle mich wie in einem Zauberland. Wir lernen, dass es einen Schmetterlingstyp gibt, der sich eine Lieblingsblume auswählt und sie jeden Tag besuchen kommt. Die Sorte heisst „Postman“. Auch Wissenschaftler haben Humor.

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Dann mit dem Fahrstuhl runter zum Aquarium in den Keller durch die Schmetterlingsschleuse, damit ja keiner flöten geht. Jetzt verstehen wir, dass wir unter dem Dschungelaquarium durchgehen und die Schildkröten zeigen uns ihre Unterseiten. Fischis in allen Größen und Formen ohne Ende. Dann ab ins Planetarium, wo uns nochmal in 3D die Verschiebung der tektonischen Platten vermittelt wird. Der Moderator erzählt uns alberne Planetenwitze zur Einstimmung und erklärt uns, wie sie langsam unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnen. Seine charmante Art uns die Handys auszuschalten zu lassen wird unvergessen bleiben (keine Ironie!). Schlangenmanagement, Entertainment und Sicherheitseinweisungen sind einfach perfekt.

Zum Abschluss Pinguine füttern gucken. Auch hier ist strategisch mitgedacht worden. Was passiert, wenn 100 Kinder und Erwachsene zuschauen wollen? Drei Reihen sehen was, der Rest hat Pech. Nicht hier! Ein blaues Teppichquadrat markiert mit einem Meter Abstand zur scheib die Fläche (ca. 10×5 qm), auf der die Zuschauer sitzen sollen, somit ist noch locker Platz für drei weitere Reihen im Stehen. Die Biologin kommt im Neoprenanzug mit ihrem Eimer und Headset und vor der geschlossenen Scheibe steht die Moderatorin und erzählt, hält ein Schwätzchen mit der Biologin und sammelt Fragen ein. In Deutschland würde ein muffiger Wärter seinen Eimer Futter in die Hälse der ungelaunten Pings schieben. Hier haben irgendwie alle Freude, inklusive der Pingis, deren Fischmenge die Futtermutti im Hinterkopf mitschneiden muss, damit keiner überfüttert wird.

Wir treffen die D’s in der großen Halle (timing, timing, timing) und beschliessen noch eben schnell einen Blick in den Spieleladen zu werfen. Wen wundert’s, dass wir einen Parkplatz VOR dem Laden finden? Brettspiele ohne Ende. Munchkin in allen Editionen. Hinten im Laden wird gespielt. Das CableCar Spiel wurde – wir staunen- in Deutschland erfunden und produziert, (Verlag Queen Games) das suchen wir nochmal raus; ebenso Forbidden Island, das uns Andreas empfohlen hat, macht uns neugierig. Vielleicht muss ich denen mal mein Alice-Spiel anbieten?! Wir reissen uns los, widerstehen dem Kaufrausch und verabschieden uns von der Family. Heute soll die Comedy passieren.

Auf dem Weg die Karten abzuholen für die Show, rast ein Abbieger in unsere Bahn und Andreas vermag es mit einem Schrei und Bruchteil einer Sekundenreaktion den Wagen zu stoppen. Der Fastunfall hat alle Erschöpfung aus dem System vertrieben. So das hätten wir auch überstanden. Der Wagenlenker seiner beulenübersäten Hütte hätte bestimmt keine Versicherung gehabt. Knallwach parken wir und gehen zur Kasse des Venues. Als ich bezahle, sagt die Frau am Schalter sie heiße auch Andrea. Wir sind uns sofort sympathisch und freuen uns auf die Vorstellung in zwei Stunden. Da wir was trinken wollen, bringen wir den Wagen zurück zum Motel. Dort gibt es ein vorzügliches Abendbrot mit Bagel und veganem Eiersalat und Ceasars Salat Fertigsauce, einer Avocado und einer reingeschnippelten Tomate, dass man weinen möchte– ein Traum

Mit dem Bus sind wir in 4 Minuten in der richtigen Straße und 5 Minuten später in Cobb’s Comedy Club. Kasse-Andrea begrüßt uns am Eingang mit „Hi Andrea“, ihre Kollegen schauen neugierig und stempeln uns. Wir werden gefragt, ob wir in die erste Reihe wollen. Jaaaaa! Wollen wir. Bier und los. Der Host und Aufwärmer witzelt los und erzählt was das amerikanische Tabuherz hüpfen lässt: Alkohol und Sex. Seine mexikanische äußere Erscheinung ist ebenso Ziel seines Humors. Er kriegt in TV Shows als akzentfreier Schauspieler immer folgende Rollen: krimineller Koch, krimineller Drogenhändler oder krimineller Krimineller. Deshalb mache er nun Comedy. Nach Tipps wie man Frauen dated und in einem Parkhaus flachlegt, fragt er wer uns, ob wir ein Paar sind. Ich bejahe und er fragt wie lange. Ich antworte 18 Jahre. Er missversteht mich und fragt wo ich denn herkommen würde – ich kontere „Aim ä scherman wis an fränsch äkkzent“. Er in Schockstarre – die ganze Bude lacht. Er fragt Andreas wo er mich kennengelernt hat und ich antworte „in a parking lot“. Gelächter ohne Ende. Hach, es ist herrlich. Perplex der Mann auf den Bühne…. Wunderbar.

Die beiden Frauen Rachel Feistein und Loni Love, die den Mainact darstellen sind absolut spitze. Kann man hier nicht wiedergeben, aber wir haben Spaß ohne Gleichen und auch Love macht Witzle mit uns und zupft Andreas am Zopf. Das wäre etwas für die Fliedschn! Glücklich geht es durch windig-schweinekalte Straßen zurück.

Zum Abschluss noch ein paar blue corn tacos und zwei Bier und eine 20 minütige Werbesendung über „Insanity“ Body Shape Programm. Wer es schafft, innerhalb von 60 Tagen, und ein vorher-nachher Foto schickt, bekommt ein Tshirt mit dem Schriftzug Insanity. Check it out! Ich müsste dafür ein Tshirt bekommen, dass ich die Werbung überstanden habe und keine Alpträume in der Nacht.

Rooftoprestaurant die Zweite, tausend Köstlichkeiten, 7 Folterschritte des Magens, 8 Zungenschmeichler oder ein Tag in Chinatown

Im Übrigen gibt es jetzt braune (organic!) Papierhandtücher auf manchen Toiletten. Ich liebe diese hauchdünnen Papiere, die man auf die Klobrillen legt, also keine Drapierkunst auf dem Lokus, mehr und hinterher- wuuusch, ab dafür, wir ersparen weitere Details…

Wir schauen bei John vorbei, aber PB hat Dienst und wir versprechen wiederzukommen. Bevor wir gehen, trifft sie uns mit San Franciscos Armor-Pfeil mitten ins Herz: „You have to move here, you just belong.“ Puuh! Little John ist überrascht, dass wir auch ihn gerne näher kennen lernen wollen, nicht nur seinen Vater und wünscht uns ebenfalls einen schönen Tag.Frühstück im Underground, weil das WiFi flutscht und der „Kaffe“ schmeckt und überhaupt.

Danach Klamotten bei BigBubbles zum Waschen abgeben.

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Heute fahren wir DingDing rauf und runter und schauen, wohin es uns verschlägt.

Im Büroladen auf dem Weg und zur Cable Car Station empfangen uns Kinder, die im Eingang auf dem Boden sitzen müssen. Keine Ahnung, ob die Lehrerin Rotstifte einkauft, oder sie eine Führung bekommen. Jedenfalls auch eine Möglichkeit sie daran zu hindern verloren zu gehen. Andreas bekommt das geliebte Drei-Loch-Schreibheft und dolle Schreiber.

An der Station sprechen wir mit einer Frau, die uns wärmstens den alten Friedhof in Presidio empfiehlt. Sie entschuldigt sich ein bisschen dafür uns einen Friedhof zu empfehlen, aber der Ausblick wäre klasse. Auch sie war schon in Heidelberg. Erstaunlich, wie viele Amis mal in Gudolddschörmanie waren.

Pflaster kaufen in der Pharmacy, die Hügel fordern ihren Tribut. Ein rundbuckeliger Öpi versucht wackelig seine Tagesration „Chocolate-Bars“ aus dem unteren Regal zu fischen – das Fach ist leer. Mehr Enttäuschung geht nicht auf einem Gesicht. Quote für die Cineasten: „Sometimes u eat the bar, and sometimes the bar eats u“. (Welcher Film? Wer es rät bekommt ein albernes Mitbringsel).

Ding Ding! Fahrtwind im Haar und über uns der blitzblaue Himmel (darf ich nur sagen, wenn es wirklich ein lupenreiner wolkenloser und ein wasweissichunterwelchenKonditionendasgilt-Himmel das ist!). Die gebogenen Dächer von Chinatown löcken. Wir springen ab und rein ins Getümmel. Unter alldem blöden Mist, den die Welt nicht braucht, gibt es auch andere Facetten. Heute ist Aktions- und Protesttag. An allen Ecken protestieren alt und jung. Sie musizieren, singen, meditieren, informieren. Beeindruckend, die fühlbare Dichte der Energie der konzertierten Aktion. Gelbe Tshirts und Flyer überall inklusive improvisierter Info-Box.

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Dazu die pittoreske Architektur und versteinerte Gesichter alter Chinesen, die die hässlichsten Sonnenschutze auf den Köpfen mit solch einer Würde tragen, dass man negieren möchte, dass es so etwas wie Bad Taste überhaupt gibt.

Dann der Höhepunkt: das einzige Balkonrestaurant des Viertels. Die Amis, die vom Klo kommen, frage ich, ob es gut war. Verstört beziehen sie meine Frage zunächst nicht auf das Essen, aber nach korrigierter, sinngemäßer Wiederholung ermutigen sie uns in den ersten Stock zu gehen. Und dann sitzen wir da: kaum einen Meter breit der Balkon, Andreas schafft es gerade an der Feuerleiter vorbei auf seinem Zwergenstühlchen Platz zu nehmen. Und dann aber entfaltet sich der ganze Zauber der Chinesischen Kultur. Waldorf und Stettler erfreuen sich an Szenen, die sich die Cohen Brothers sich nicht ausdenken können: Im Park sitzt eine Mann und begutachtet sein Knie, Touristenfänger schieben ihren Beute über die Straße ins Restaurant, uralte Steinstatuen schieben sich zentimeterweise durch die Straße, drei rosa Damen werden von einem müden Aktivisten mit den Augen verschlungen und ein Greis in goldenem wallendem Gewand mit traditionellem Kopfschmuck zieht seinen Trolley die Querstraße hinauf. Dubiose Waren verschwinden in einem Keller, die vorwitzige Taube, wir nennen sie „Züshiyo-gyuofan-wei-ho“, halten wir davon ab, unsere 7 Gänge der kleinen Zungenfolter zu entweihen. Alles sehr, sehr, schmackhaft und nicht ganz so exotisch wie die Mohnsuppe (siehe 2010). Der Glückskeks verspricht als Höhepunkt, dass demnächst eine tolle Nachricht kommen wird. All das passiert komprimiert in einer süßen Stunde intimer Zweisamkeit auf einem Balkon in Chinatown. Mal ehrlich, das ist doch unglaubhaft bis zum Abwinken! Wer will, mag eine Gegengeschichte erfinden…

Ausklang beim Indi. Was ist heute im Angebot? Es ist Happy hour und wir bekommen ein Token für ein zweites Bier. Immer wieder stelle ich fest, dass das „Häffeoueizen“ mehr nach Urinprobe, als nach Bier aussieht, aber es schmeckt besser ohne Zitrone. Diesmal fotografieren die Cable Carmänner die Touristen

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, ein Auto knutscht die Bahn, was aber niemanden interessiert, hinter uns haben zwei alberne Vollblond-Amerikanerinnen einen Lachflash und die Nachbarjungs treffen sich in der Abendsonne während ein Dude hinter uns einen Blues singt. Was will man mehr? Von hier oben sehen wir ein noch Hochzeitspaar, einen Wagenschieber, bei dem nicht klar ist was die Person mit dem Berg an Dingen vorhat. Homeless oder Business? Man weiß es nicht.

Rückfahrt mit der Cable Car 20 Minuten anstehen, ich fröstele und ziehe mir Socken an, während man meine professionelle „Layertechnik“ bewundert.

Mit den beiden Aussis in der Schlange quatschen wir über Packstrategien, Klamottenkauf und Tugenden des Zweitkoffertrends (sie hat so viel eingekauft, dass sie einen weiteren Koffer benötigt. Er fand das völlig lächerlich, weil man eh nur eine Zahnbürste braucht). Als er mich fragt, warum ich mit einem Mann unterwegs bin, der älter als ich erscheint, kontere ich, dass er mehr „Erfahrung“ habe und treffe den Nerv seines Humors und er antwortet begeistert „Shut up“. Ach, die Patriarchen sind eine Wonne. Nach dem sie uns mitteilen, dass sie so verärgert über die Sozialschmarotzer in Australien seien, entgegne ich:

„We are entering the world of politics“. Wir entfalten unsere dezidierte Haltung zu Bankenregenschirmen und erweitern ihren Horizont um eine Hutbandgröße. Dann ist es Zeit einzusteigen. Drinnen sitzen wir separat (ohne Waschräume) und schauen aus dem Fenster.

Man genieße folgende Szenerie:

Im Hintergrund sitzen bei offener Tür die schichtfreien Cable Car Männer und lesen Zeitung.

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Im Gebäude links daneben öffnet sich die Haustür und eine Familie tritt auf die Straße, den Blick ins Wohnzimmer freigebend auf viele leuchtende Dinge in rot. Ein asiatisches Geburtstagskind darf Wasserbomben auf das Haus werfen, aber sie prallen immer wieder ab. Ein Paar mit Kinderwagen schaut romantisch-versonnen zu, eine Passagierin der stehenden Cable Car steigt aus und hebt den heruntergefallenen Stoffhasen der Kleinfamilie wieder auf.

Mit dem Bus die Van Ness runter. Es gibt keinen Knopf um den Wagen anzuhalten. Wie geht das? Hm? Die ganze Klasse?! Eine Leine geht durch den ganzen Bus am Fenster lang. ZIPF– Wagen hält. Eine Stadt wo high tech und old school sich gute Nacht sagen. Noch ein klassisches Rolling Rock zum Verdauen. Bis morgen!

Ahhh..the great outdoors!

Frühstück in einem entzückendem französischen Café mit winzigen Tässchen und Leckereien ohne Cheese Baguette.

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Dann flanieren auf der Union. Eine Papeterie lockt in einen Hinterhof und es eröffnet sich eine Welt von wohlgestaltetem Sinn und Unsinn.

Was kann anderes auf einem Radiergummi stehen als UNDO oder ERASE?

Es gibt keine Zufälle. Auf dem Weg zum Hafen: in der ersten Woche haben wir Guerilla Gardening Fotos gemacht, nun treffen wir den Gardener. Er erklärt uns was er anbaut und der Stolz dringt aus allen seinen Poren. Neben den Kapitalisten und Homeless teilen sich auch Idealisten und Gutmenschen den Bürgersteig. Herrlich.

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Fisherman’s Wharf die Dritte mit Breakdance, weil die Tickets für Alcatraz der Aussies abgeholt werden müssen. Die Jungs sind absolute spitze und es macht Spaß sie anzufeuern. Mal hochgerechnet wie viele Shows sie am Tag machen, mal jeweils mindestens 40 Touristen mal Spende durch fünf- denkbar, dass die davon ernsthaft eine Weile leben können.

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Dann endlich zu Fuss zur Station der Cable Car:

Hügel rauf und runter , wunderschöne Häuser, Aussichten auf wahlweise Golden Gate Bridge, Wasser oder Stadt.

Nach 40 Minuten Anstehen endlich die Belohnung:

Hügel rauf und runter, wunderschöne Häuser, Aussichten auf wahlweise Golden Gate Bridge, Wasser oder Stadt (cut copy paste). Eine Franzosenfamilie ist vor uns und ich packe meine 17 Vokabeln aus. Nach ein paar Sätzen kollabiert mein Gehirn. Wrrtschrööbidöö….access denied…währenddessen fotofitze ich, bis der Arm mir lahmt.

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Hunger, wir schlagen die Aussichtsplattform vor und laufen los (siehe oben cut copy paste).

Leider ist die Sonne weg. Es gibt ein frösteliges Abendessen beim „Wilden Inder“ – die Schwaden schwaden fröhlich wie immer und drinnen steppt der Bär. Hühnchen für die Kinder, ominöses Puffreisgericht für mich. Wir verabschieden uns in verschiedene Richtungen.

Für uns bleibt ein letzter Gang zurück zum Motel. Als wir mit breiten Füßen und lahmen Beinen ankommen, können wir festhalten, ein Kurs Bauch-Beine-Po ist ein *** dagegen.

Ausklang mit amerikanischer Olympia Berichterstattung auf dem Bette mit Mandeln und Bier. Überall in der Stadt wird selbstverständlich die Glotze laufen gelassen, aber es werden natürlich nur die Amis gezeigt, maximal ein direkter Konkurrent. Hambüchen wird abgelöst und dann ist nur noch wohlig-erschöpftes Schweigen.

Orca – Omelett – Oktagon

Mexikanisches Frühstück und Waffeln in Chestnut Street. Der Herr wählt einen Schichtberg mit „allem wo geht“: Tortillas, Bohnen, Ei, Salsa, Sour creme, Avocado. Die Dame hat das Süsse mit gerösteter Mandelbutter, sieht aber aus wie Ahornsirup. Trotzdem sehr genießbar.

 

Erste Amtshandlung ist das Oktagonhaus. Zwei typische American Ladies begrüßen uns mit Begeisterung und stürzen sich auf uns, um uns ihr Wissen zu vermitteln. Der Name verrät ja schon viel: ein achteckiges Haus, das beim Erdbeben von SF verschont blieb, hatte nur eine Seite eingebüßt. Wer es denn aufbaute und renovierte, ließ es versetzen! Ein imposantes Bild, wie das Holzhaus auf Stelzen und Rädern über die Straße geschoben wird. Wir lernen Details aus der Kolonialzeit: eine Walöl-Lampe kann die Zeit messen, Kerzen müssen in Holzkisten an der Wand hängen, damit Mäuse sie nicht fressen, Babies hatten schon Laufgeräte aus Holz mit einer ausgefeilten Mechanik, damit es in alle Richtungen flitzen konnte. Die Feuerwehr kam nur löschen, wenn vorher eingezahlt wurde und das erste Papiergeld musste man sorgfältig prüfen, weil auf der immer gleich großen Dollarnote stehen konnte: „entspricht  einem halben Dollar, oder entspricht zweihundert Dollar“. Wohl dem, der lesen konnte!

Holzdoppelbetten waren durch Schnur „gefedert“, die ab und zu wieder stramm gezogen werden mussten und das gesamte Bett konnte hochgeklappt werden, um mehr Raum zu schaffen. Das Handarbeitstischchen hatte eine untere Schublade mit Sack, in der das „project“, wie sie erläuterte, gelegt werden konnte. Sie erinnerte mich nebenbei an jemanden; im Nachgang würde ich sagen, es war die Schwester von Clint Eastwood.

Auf dem Plan stand: Twin Peaks, Golden Gate Park, Meer sehen, evtl. Erdbeben und die berühmte Häuserzeile. Wir bekamen nicht alles, das mal vorneweg.

Zuerst marschierten wir zum Sportladen, der Zehenschuhe für Andreas bereithalten sollte. Leider sind sie in ihren Modellen nicht soweit, wie sie sollten, denn es passte leider keiner. Schaaaade. Na gut, dann weiter im Plan. Wir kommen an einem Organic Supermarkt vorbei, der von koscherem Ketchup bis Holzpicknickbesteck (bei dem der Baumkuschler selbstverständlich vor dem Fällen den Baum um Erlaubnis gefragt hat) alles hat. Wir entscheiden uns für albernen Honig in Bärenform, ominöses glutenfreies, roh, bio, veganes, getrocknetes Grünzeug, dass geröstet wurde und gewürzt wie frittierte Petersilie aussieht. (Leider habe ich „sassy spice“ erwischt und der Luftstrom geht mir noch heute morgen durch die Ohren. Abgesehen von der Schärfe, die mein Urteil etwas trübt, kann ich sagen, interessant bis lecker.)

Dann ab ins Auto auf zum Park. Das Wetter ist zum ersten Mal etwas grau-freuchtelig; für Museen ideal für outdoor Aktivitäten nicht ganz. Egal. Andreas hält es nicht aus bis nach oben zu fahren, er MUSS raus und das Foto machen: SF liegt uns zu Füssen – die Rückseite (siehe den Blick von Alcatraz 2010). Ich sehe in wässrige, glückliche Augen.

Auf dem Twin Peaks Gipfel treffen wir auf den Gipfel des touristischen Irrsinns. Während gefühlte 27.000 Menschen aller Länder den immer gleichen Ausschnitt ablichten, spielt in unserem Rücken ein von sich überzeugter Spraykünstler rotzige Beats und sprüht dazu unbeschreiblich ästhetikfreie Kitschbilder. Was beeindruckt, ist die „Generationen Gap“ – vorne Erwachsene und Kinder, hinter uns Teenies beim Krachkünstler. Wen interessiert schon ein unverstellter Blick auf Bucht und Stadt von San Francisco in dem Alter?

Am Golden Gate Park, parken wir an einer Mühle und sehen vorne das Meer. Der Sand ist unglaublich schmutzig und die Promenade im grauen Himmel etwas trostlos. Durchgepustet und auch ein bisschen durchgefroren beachten wir fasziniert die korodierte Ampel auf dem Weg zurück und wir sind uns einig, dass selbst bei schönstem Wetter der Dauerwind einen Strandtag nicht wirklich aufwerten würde.

Eine Spenderin, Mrs. Eleanor Rossi Crabtree, hat den Wiederaufbau der Hollandmühle ermöglicht. Leider kann man nicht rauf und die Hässlichkeit des Sockels macht einen sprachlos, also Frau Krabbenbaum, da wären doch noch ein paar Dollarse hilfreich gewesen!

Grinsend gurken wir im Park herum. Er ist wirklich riesig und es wird gejoggt, dass einem vom Zugucken das Herz pumpt. Die „Painted Ladies“ Häuser fallen aus, weil es zu spät wird und wir das Experiment mit „bad neighbourhood“ lieber überspringen. Erdbeben iss auch nicht mehr, eine Simulation der Sonderausstellung verspricht einzigartigen Kitzel, aber wir kommen ja noch mal wieder…

Wir haben wirklich den besten Platz mit unserem Motel. Links das Golo, rechts 3,5 Minuten zu Fuß der beste Sushiladen mit dem unvergleichlichen Mochi-Eis. Vielleicht ist es langweilig über Essen zu schreiben, weil Geschmack bekanntlich subjektiv ist und auch nicht fotografierbar ist, dennoch kann schlechtes Essen mehr als schlechte Laune verursachen und so müssen wir einfach unserer Begeisterung bei Herausragendem einfach Ausdruck geben.

Nach üppiger Speise der Bliss-Kategorie, wandeln wir zurück. Morgen sagen wir fürs Erste Ade San Francisco, aber ein letztes Bier aus dem Deli sei uns noch gegönnt: Alaska-Kölsch mit einem Orka drauf – Prost.

Trophy moment + tears = Bliss

Andreas im Golo

Frühstück im Golo mit PB (gesprochen Piebie). Sie kümmert sich rührend um uns und ich darf Johns Brotscheiben mit Obst und Ahornsirup genießen. Andreas bekommt ein Omelett, das glücklich macht. Dann zeigt PB uns den Brief, den ich ihnen vor 1,5 Jahren geschickt habe. „It means a lot to him“, erklärt sie uns. Boah, das rührt. Den anderen Brief hätte er auch irgendwo. Dann kommen deutsche Touristen und PB stellt uns ihnen vor – sie sind aus Koblenz. Als ich rheinisch mit ihnen rede und sage, dass ich aus Bonn bin, bin ich im Ranking gestiegen. By the way –PB ist nicht die Abkürzung von Paula-Beth oder Patty-Boo, nein es steht für Peanut Butter – was für eine Liebeserklärung.

Dann geht’s ab nach Chestnutstreet.

Im Applestore entdecke ich eine Mathe App – Math Bingo, das ist was für meine Mathe-Legastenie und Frog Minutes verspricht im Grünen Insekten fangen, Frösche finden und füttern, während Andreas ominöse Adapter findet, mit denen alles mit allem kompatibel ist. Toll. Eine Mutter will sich bei der Beratung nicht stören lassen und drückt ihrem 1,5 Jahre alten Kind ihr iPhone in die Hand mit der Übersicht der letzten Fotos und gibt ihm dem Auftrag „See, if you can find Daddy“ und der Kleine greift selbstverständlich zu und fängt versiert an zu suchen. OMG. Was wird mit denen, wenn die zwanzig sind?!

Auf dem Weg zurück zum Hotel denken wir, wie spannend es wäre mal in die Wohnungen der Leute hier zu sehen. Wunsch abgeschickt, prompte Antwort:

Monika schreibt sie hätte heute Zeit, ob wir nicht nach Berkeley kommen wollten? Museum für 30$ pro Nase oder mal anderes sehen? Wir kommen. Navi-Susi leitet uns über die Brücke und wir sehen die Ausfahrt nach Yerba Buena, jener Ort, an den Hutchinson Hatch beinahe verfrachtet worden währe, wo Dr Shrink ihn in Empfang nehmen wollte, wenn ihn Professor Dr Dr Dr van Dusen nicht gerettet hätte (Insider für den Saub und alle Fans des Hörspiels).

Berkeley ist wirklich überzeugend. Wohngegend mit kleinen pittoresken Häusern, die irgendwie doch das Gefühl vermitteln, die meinen das nicht ernst hier, das sind nur Ferienhäuser oder Filmkulissen. Kaffee im Hippy Gypsy, wo wir von der Ladenmutter mit Peace Geste entlassen werden, nachdem der Sohn, ein echtes Hagrid Double, uns abkassiert hat.

Andrea vor dem Hippy Gipsy Fahradständer bestrickt

Dann treffen wir Monika in ihrem Appartement mit Katze und echtem 50iger Jahre Charme in der Küche. Sie führt uns zu einem netten Platz mit Essens-Trucks, wo organic aus aller Welt genossen wird. Es riecht verführerisch, aber wir sind auf Sushi eingestellt.

Die Berkeley roll ist in neongrünes Sojapapier gewickelt und schmeckt himmlisch. Dann sind wir gemütlich gequatscht und wollen zurück. Monika leitet uns noch zum Hafen mit Sonnenuntergang und dramatischer Wolkenkulisse.

Danach Bug Fix in Monikas Appartement– irgend was zwischen iPhone und Computer.

Es ist 22:30 Uhr und die Augen werden schwer. Wir verabschieden und herzlich mit dem Versprechen wiederzukommen.

Rückfahrt durch Mission District. Tagsüber so gut wie keine Homeless People. Nun im traurigen wahrsten Sinne des Wortes sind die Straßen von San Francisco hier gepflastert mit Menschen in Schlafsäcken. Ein bitterer Moment und definitiv kein Ort zum durchspazieren..

Nach alter Manier fünf Fotos, die ich nicht gemacht habe (siehe 2010):

  1. der quietschgelbe Thunderbird von 1969, frischgeputzt, der SF zu einem echten Themenpark macht
  2. das Pärchen im Auto, das Chips essend nicht fernsieht, sondern die Skyline von SF am Wasser von Berkley (man steigt zu sowas nicht aus und geht da etwa spazieren!)
  3. Ausfahrtschild nach Yerba Buena
  4. den witzelnden Verkäufer mit einer Frisur wie Tante Käthe (ehemaliger Fussballer), aber ausgewachsen, mit Schnurrbart UND Bundfaltenhose, wie er die XXXXL Hosen von Männern faltet, die seine Hose als Pulswärmer tragen würden
  5. das Plakat für den Tierwaschservice mit einem gezeichneten Doggy mit Schaum auf dem Kopf
  6. das anthrazit-lehmverputzte Haus mit einem Zaun, als würden dort Rehe im Vorgarten gezüchtet werden

Im Motel hat man uns erhört; wir haben doch wieder zwei – nein vier!-  Päckchen Kaffee für die Kaffeemaschine bekommen, offenbar hat mein Bezirzversuch bei der Reinigungskraft gefruchtet. Und drei neue kleine grüne Paradekissen sind auf dem Bett erschienen – warum auch immer. Die letzten beiden kühlen Biere vermischen sich mit der Sirene draußen. Nightynight, folks.

Wir haben beides: Country und Western

Frühstück im Underground, (siehe 2010) nach guter alter Tradition. Das W-Lan will nicht. Dafür schreiben wir, dass die Schwarte kracht. Erste Fotos und Texte wandern auf die Plattform. Dann runter zum Hafen. Der Klassiker. Ein Muss. Aufs Wasser glotzen, breeze deep, dem Kormoran beim Fischen zusehen. Zen.

Weiter im festen Programm: Fisherman’s Wharf steht noch und wir stellen fest, Nap-Town kann wunderbar sein. Nachdem wir uns die Oxygene-Bar erklären ließen – mit einem frisch aufgeheizten Kerne Kissen auf den Schultern, wussten wir wie die Wassermassage funktioniert ohne nass zu werden, probierten wir mysteriöse Reizstromgeräte, die die Schultermuskeln zucken ließen und die Verkäuferin betonte, dass sie ÜBERALL gut tun. Sie tue das praktisch täglich. Dann erhalten wir einen weiteren Einblick in amerikanische Verkaufskunst: wir können zwei Massagen für umme haben UND eine viertel Stunde Oxygene Bar-schnüffeln, wenn wir für – nein, nicht 170$, nein, das würde sie uns nicht antun, sondern für schlapppe 110$ den Reizstromgenerator überlassen – eigentlich ungern, weil sie ihn so lieb hat.Wir sind entzückt und suchen das Weite.

Erster Kauf: Andreas hat ne Mao Mütze und der asiatische Verkäufer ist umgehend neidisch, als Andreas sie aufsetzt.

Zweiter Kauf: WTF-Bonbons. WTF!

Dritter Kauf: Wallmart erfreute uns mit Sunblocker 100 (warum wir das nicht haben??) und Nasenspray.

Nachmittag: erfinde folgende Filmszene und stelle sie Dir vor: wir sitzen auf einer Dachterrasse bei einem Glas Stella Bier. Unten ist die Endstation der Cablecar, wo wir fotografieren, wie sich Touristen fotografieren, während ein fremder Chihuahua zu unseren Füssen pennt, weil es hier gemütlicher als bei Frauchen ist und auf der Kreuzung ein Asiate ein benzinbetriebenes ferngesteuertes Rennauto zwischen den Schienen auf der Straße rasen lässt. Das alles wäre fast normal, wenn nicht neben uns der Fahrradverleiher von unten eine Pause einlegte und mit einer Lupe seinen frischgekauften „…“ (der Spender genießt gerade ein Bier & Buch nebendran) in einer Glaspfeife anzündet und einen Hustenanfall bekommt. Nach der versprochenen Einwirkzeit erklärt er seiner dazugekommenen Kollegin, daß der Unterschied zwischen Männern und Frauen ist, dass Männer wissen, wann sie was wollen, und Frauen denken das nur….okeeeeeeee. Wenig später: (quote) „When I’m slammed, it’s rediculous“. – Maybe he is right. We found the Dude spot. Ich wiederhole: das Leben ist schön. Noch ein tiefer Atemzug von rechts und wir sind auf gleicher Welle, jedenfalls sind wir schon kurz vor Lachanfall. Links sitzt ein Typ, der seinen Mitesserinnen (wir sind in einem indischen Restaurant, eigentlich, aber man muss sich selbst bedienen, wenn man innen an den Billardtischen vorbei ist) in die großen Themen der Welt einführt: Deutsche, Drogen, Gott und Kreditnummern. Soll ich noch weiter ausführen wie es drinnen aussieht? DDR war posh dagegen.

Nach ca. 3 Stunden insider Programm brauchten wir Erholung. Gucken und geniessen nennen wir ab heute Zen-Kategorie. Visualisieren könnte man es mit kleinen Atomen, die immer näher zusammenrutschen, je intensiver wir Dinge erlebt haben. Die Erlebnisdichte auf diesem Flecken war max. auf der Richtskala, nicht mehr zu überbieten heute. Doch wir hatten uns geirrt.

Auf dem Rückweg kraxelten wir die Lombardstreet nach oben und weiter bis zu unserer Querstraße. Damit haben wir auch sportlich alles gegeben, was in unserer Macht stand. In der Straße eine Serie kryptischer Botschaften. Scheint ein Projekt zu sein. Bibelzitate, Liebeserklärungen, Formeln. Oder ein Paraleluniversum – wer weiß? Der Hund (wir nehmen an es war ein Hund) „Achou“ hat eine Grabplatte in der Straße an seinem Lieblingsbaum bekommen. Interessante Parkverbotsschilder, von Selbstgebasteltem bis profan Gespraytem ist alles vertreten. An der Tür der esoterischen und astrologischen Praxis (die schon länger dicht ist, wie man an den Mengen an Post hinter der Glastür zu erkennen ist, die unter der Tür durchgeschoben worden war) hängt eine Kontaktadresse für Notfälle – mal schnell auf eine Papier CD Hülle geschrieben und an die Tür damit.

25 Meter von unserem Motel ist das Golo, wo wir letztes Mal John kennnen gelernt haben (siehe 2010). Morgens hatten wir durchs Fenster geguckt und kein John war zu sehen. Draußen hing eine neue Karte und Boutique stand da. Huch – ist da ein anderer eingezogen? Jetzt abends noch mal ein prüfender Blick durch die Scheibe, wie erwartet war es geschlossen, aber wer steht drin? Tadadaaaa. Ungläubig kommt er und weiss sofort wer wir sind. Er schließt uns lachend in die Arme und freut sich wie sich einer nur freuen kann. “Welcome back home!“. Und genau so fühlt es sich an. Er bäckt gerade das Brot für morgen, zeigt uns stolz seine Arbeitsergebnisse und hat auch Andreas Quadro-Fotos vom iPhone nicht vergessen. Wir plaudern eine Weile, PB säubert akribisch einen Toaster im Hintergrund. Wir verabreden uns zum Frühstück und ich will ihm die Hand geben. John tut empört und drückt mich kräftig in seinem breiten Amerikanisch „She is about to do the handshake – you are family!“.

Wir nennen das ab heute einen trophy moment. Das Leben ist wunderschön. Ohne Abendbrot kippen wir überwältigt um 21:30 Uhr Ortszeit ins Bett. Noch Fragen?

Ein Ehepaar erzählt einen Witz oder ein Ehepaar schreibt einen Blog.

Da jeder so seine Schwerpunkte hat und definitiv eine eigene Schreibe, bieten wir dieses Mal USA in Stereoskopie in rot und blau. Farbwunsche können geäußert, aber nicht berücksichtigt werden.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Das A-Team

SF 2012

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Der Tag fängt mit einem Flughafentee in retro an. Die Boardingkarten in der Hand, alles auf Anfang Tag 1 – Hurraaa, es geht los!

Soll ich noch berichten, dass zwischenzeitlich die heiligen Aufkleber auf den Reisenpässen, die man NICHT verlieren darf, weg waren? Adrenalinstart gleich am Anfang.

Warten, warten und dann geht’s los. Drei Filme haben wir geschafft, englischkurs zum Einstimmen, und ich bekomme immer wieder das Vegetarische Spezialmenü , dabei heiße ich nicht Bersch und habe normal bestellt. Loriot hätte seine Freude gehabt.

Fantastische Sicht auf die Spielzeuglandschaften unter uns. Dann die Ansage, dass wir Zwischenstop machen werden. Letztes Mal gab es Vulkan, diesmal Winde.

Neufundland bietet das, was man sich so bei Canada von oben so vorstellt: Tannennadelnspitzenwälder, Wasserflächen und Grün gemixt wie ein Filzteppich und dazwischen lila-verrostete Wassertümpel wie aufgetropfte Lötstellen auf der Erde. Faszinierend.

Der kleine Flughafen erinnert an Tempelhof, aber der Tower und das Flughafengebäude eher an eine fröhliche Farm mit Drive-In Charakter. Nach einer halben Stunde tanken geht es weiter, wir wären gerne mal ausgestiegen. Die Landebahn ist kurz und wir machen Dampf auf, um die Piste optimal zu nutzen.

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Als wir endlich in New York landen, trifft uns für drei Minuten Übergang vom Flieger in die Halle der Feucht-heiße Klimahammer: 30°C und 90% Luftfeuchtigkeit. BOUM! Draußen ist kein Wetter, sondern graue Suppe, vielleicht auch ein bisschen Smog. Ein Grund mehr, warum uns NY nur locken würde, wenn wir mal unsere Freundin Judith oder Al besuchen würden.

Wir wissen, dass unsere Zeit zum Umsteigen von gemütlichen drei Stunden auf 45 Minuten geschmolzen ist. Eine interessante Herausforderung. Über die geräuschlosen Einwanderer Teppichen socken durch wir durch die Flure um uns Anzumelden. Der Boden vibriert von den Herden abgefertigter Leute. Ach nein, es sind meine Füße, die noch Flugzeug simulieren. Wie bei Seefahrern die an Land schwanken, gaukelt mir mein Körper noch Flugfeeling vor. Nun pressierts. Klo muss sein, Fingerabdrücke, Stempel – wir sind drin!

Jetzt die Koffer holen, Zoll, re-checkin unseres Gepäcks und Nacktscanner. Auf los geht’s los!

Wir kürzen Schlangen ab, befragen Mitarbeiter auf Rolltreffen, hoppeln zum Kofferrondell.

Unsere Schwarzen Doppelpacks kommen wie unsere Haustiere per Pfiff zahm um die Ecke, auf dem Rollband entgegen- SCHNAPP! – weiter im Schweinsgalopp zum Zoll. Acht Großfamilien vor uns mit Gepäcktürmen, mit denen man einwandern könnte—äh vielleicht tun sie das gerade. Bitte, bitte, Beamtenblick auf den Zollwaschzellel: – nix zu verzollen, sie glauben uns. Ohne Umwege zum re-checkin – noch 12 Minuten.

Der dünne, drahtige Koffer-Sortierer fragt mich mit souliger Stimme: „Deeestineeeschan?“ Wir antworten San Francisco. „You gatta hurry, folks“ lässt er uns wissen. Für mich ist es wie ein Startschuß zum nächsten Dauerlauf – „Leave the suitcase here, Mam!“ – Beinahe hätte ich ihn wieder mitgenommen. So nun aber: noch 9 Minuten. International ist groß und uns steht noch der Sicherheitscheck bevor. Schlangen über Schlangen. Mit geübtem Blick erfassen wir, wo die schnellsten Abfertiger stehen. Eine Geräuschkulisse wie in der Arbeitshalle im Film Metropolis, wenn es Ton gegeben hätte. Rufe, Plastikwannen, Anfeuerungen schneller zu machen, Schuhe aus! – uns ist das nur Recht. Alles flutscht, mit geübten Handgriffen alles wieder an seinen Platz zu stopfen, Andreas zieht im Rennen den Gürtel wieder durch die Hose.

Am Gate steht MÜNCHEN? Nee da wollen wir nicht wieder hin, die hilfsbereiten Damen am Counter werfen uns eine neue Zahl entgegen, ich höre noch „They’re good“, das beruhigt mich wenig, aber wir geben die Hoffnung nicht auf. Noch 3 Minuten. Durch die Klimaanlagenfahrten sind wir durstig, aber keine Zeit was zu trinken zu kaufen. Da – unsere Schlange, schon mächtig kurz – „Group number 6 ready to board“ – exakt unsere Gruppe, rein und sitzen. Phew!

Aber es dauert noch 1,5 Stunden bis wir abheben, da wir keine freie Bahn kriegen. Durst.Im Flugzeug ist die Air Condition aus, es pustet ein dünnes Lüftchen. Durst. Körpertemperatur gefühlte 42° und nix zu trinken. Durst! Ich wusste nicht, dass Fingerspitzen schmerzen können, wenn man anfängt zu dehydrieren. „We can start the engines in a couple o’ minutes, then we cool you down, folks“ lässt uns der Captain wissen. Ohja bitte! „Thank god“ seufzen die Reihen kollektiv auf. Nach einer weiteren halben Stunde in der Luft gibt es Snacks zu kaufen, dann ENDLICH was zu trinken. Die Kopfschmerzen lassen langsam nach, die Füße pumpen, der Hintern feuchtgeschwitzt. Ein Baby schreit, eiskalte Cola und ein Trashfilm. Das Leben ist schön.
In dem ganzen Wahnsinn erheitert uns der „Schniselkatalog“ nach dem Motto „Was wir haben, brauchen sie noch“ und setzen auf die Einkaufsliste diesen formschönen Antistresshelm. Wer auch einen möchte, wir haben noch Platz im Koffer.

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Nach weiteren 5,5 Stunden Flug in der Sardinenbüchse (das Abendbrot bestand aus 8 Päckchen E225, E34; E118, E9987 – wahlweise mit Zucker als Dragees verkleidet oder Cracker mit Schmierkäse) landen wir so steif wie ein Plastiklöffel im Gefrierfach. Raus, einfach nur raus.

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San Francisco riecht diesmal nach Waschmittel, süßen (verschiedenen) Raumbeduftern und eine Prise Salzluft irgendwo im Hintergrund. Gerüche finde ich in Ländern immer faszinierend. Unser Auto ist diesmal schwarz ohne ominösen Kunst-Kirschduft, auch wenn uns der verkaufsstarke Jack auch Radjiinampour (oder so) doch noch mal um 200$ leichter gemacht hat, weil Andreas angeblich in kein Auto passt. Egal. Ich glaube, das wird ein wichtiges Wort, stelle ich fest.

Unsere schwarze Karre glänzt anthrazitfarben und draußen ist es schon schwarze Nacht. SF begrüßt uns mit einem riesigen Fingernagel-Mond klar umrissen wie aus dem Himmel geschnitten und wir sausen unserem Motel entgegen. Die brandneue ipad-App-Navi-Susi schleust uns lässig über die mehrspurigen Straßen, bis wir auf unser Kingsize Motelbett plumpsen. Essen ist nicht mehr. Um 22:30 Uhr werden die Bürgersteige hochgeklappt – Sushi fällt aus, der einzige Wermutstropfen, aber ein Sixpack Rolling Rock und Cheddar-Sandwich beim Deli umme Ecke tun es auch. Und dann, nach 25 Stunden unterwegs sein, gute Nacht, bis morgen.

This is good-bye oder wie man verspricht wiederzukommen

Heute ist der letze Tag und wir weigern uns schon morgens zu seufzen oder gar unter Druck setzten zu lassen, dass heute noch das Außergewöhnliche passieren muß, oder noch schnell 17 touristische Attraktionen mitzunehmen. Also packen wir geschmeidig, trinken unseren Motel-Haus-Kaffee und frühstücken „continental“. Das sind hier zwei eingeschweißte Muffins mit Zimt- oder Bananengeschmack und zwei echte Bananen. Jeder darf selbst interpretieren worin da das „kontinentale“ liegt.

Dann macht Andreas der gesamten Anlage klar, dass wir nun losfahren, indem unser Autoschlüssel mit matter Batterie anstatt das Auto aufzuschließen die Alarmanlage ertönen und nicht mehr abstellen lässt. Jedenfalls wissen wir jetzt, dass der Host nach 3 Minuten gucken kommt. Der Parkplatz ist also wirklich bewacht.

Krisch-stink

Kirsch-stink

Burger ist in

Nachdem wir alles mögliche zu Fuß und per Cable-Car gemacht haben, bleibt uns noch die Autofahrt über die berühmte Lombartstreet. Hier entstehen nachmittags endlose Schlangen der Touristen, die alll da runterfahren wollen. Um 12 Uhr ist es aber leer und wir kurven auch mal. Huii. Unsere Karre hat ziemlich tiefliegende Schürzen und wir verzichten auf eine reifenquietschende Abfahrt.

Lombard St

Lombard St

Dann gibt es stilechtes Schnellrestaurant Lunch beim In-n-out-Burger – ganz nach dem Vorbild in Big Lebowski. „Echte Pommes“ frisch geschnippelt und Fleisch, das garantiert nicht eingefroren wird, garantiert Qualität und Genuß. Doch –ja–er schmeckt tatsächlich.

Andreas ist völlig begeistert, wie vergnügt alle dort arbeiten. Es wir viel rotiert, sodaß jeder alles eine Zeit lang macht – schnippeln, kassieren, abwischen der Tische, etc.

Hier ist spürbar, dass wir in der Kommunikationsstufe 8 level niedriger liegen. Als ich an einem 4er Tisch höflich frage, ob hier noch frei wäre, werde ich angesehen, als hätte ich meine Unterhosenfarbe gezeigt – eine Antwort bekomme ich nicht. Nun denn, setzte ich mich eben und warte auf Andreas. Ich beobachte, wie ein korpulente Frau für zwei Portionen Pommes 4 Schälchen Ketchup abpumpt, andere pumpen die Pampe direkt auf ihr Tablett – auch eine Möglichkeit.

IN-N-OUT

IN-N-OUT

Ich verdünne eine quietschrosafarbene irgendwie-Grapefruitstückchen-Limo zu einem Drittel mit Wasser und es ist, als lutschte man eine Vitamin-C Brausetablette. Als der Becher nur noch ein Drittel Flüssigkeit aufweist, fülle ich noch mal Wasser nach: kein Effekt – Himmel, was machen die da rein!!??

Parkhaus: 2 $ – das ist für eine Stunde ok, doch wir werden uns steigern!

Smartypants

Wir hatten zwei unabhängige Empfehlungen für einen Laden, der größere Hosen, als für schmächtige 16 Jährige bietet. Also auf und los. Endlich eine Hose mal nicht in schwarz! Wollen Sie mal hineinschlüpfen – er tut es und Bing! Sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Das Jackett, das Andreas noch probiert, ist Wahnsinn. Aber in Anbetracht der noch zu erwartenden purzelnden Pfunde wäre es nicht klug nun zuzugreifen. Wir versprechen wiederzukommen.

Exclusivity is for everyone

Exclusivity is for everyone

Welch ein Gefühl – im Taumel der Freude mit der Tüte in der Hand in ein Starbucks. Andreas will das W-LAN noch mal nutzen um die Dinosaurier-Ausstellungsadresse zu finden. Er kauft eine tolle Service-Karte, mit der er ins Starbucks-W-LAN kommt, aber es tut nicht. beim Nachfragen heißt es trocken, er müsse sich telefonisch freischalten. Seltsam – warum macht man es nicht einfach auf? Na gut. Angerufen, da heißt es man solle auf die Website gehen, um sich anzumelden. HAHA – selten so gelacht. Wenigstens haben sie ohne Weiteres die Karte zurückgenommen. Dann eben per Navi.

Parkhaus: 6$ für zwei Stunden

Das Parkhaus hatte – oh Wunder eine Farblogik, die mit den Knöpfen im Fahrstuhl korrelierte – hach schön, wenn Menschen mal intelligent sind.

Big in Japan

Dann in den Golden Gate Park. Was für schöne Häuser auf dem Weg dorthin – dafür muss man einfach noch mal extra Urlaub machen! Wir versprechen wiederzukommen. Angekommen, stellen wir fest, dass das Museum in einer Stunde schließt, dennoch wollen sie pro Nase 19$. Und das für olle Dino-Gerippe – neee. Wir lustwandeln auf dem riesigen Platz in der Sonne und finden einen japanischen Garten. Da wir eher einen kleinen Vor-Abschiedsblues aufkommen spüren und wir abends Sushi essen wollen, ist das die perfekte Überleitung. Hier erleben wir wieder wie die Welt für uns Platz macht. Wo immer wir hinkamen und wie voll es auch war, ebbten die Ströme ab, gingen die Leute gerade und es schien, als hätte man für uns reserviert. Hier ist es nicht anders. Der Garten hat eine unglaubliche Ausstrahlung – als würde die Außenwelt absorbiert, herrscht eine kühle Gelassenheit, die uns sehr gefällt.

Glockenbrücke

Glockenbrücke

Wir beobachten ein Eichhörnchen, dass der Verkäuferin Nüsse aus der Hand frisst, und dafür extra in den Laden kommt! Bevor der totale Kaufrausch ausbricht verschwinden wir mit einem ulkigen Besteck, dass einerseits Messer und Gabel hat, und auf der anderen Seite als Stäbchen fungiert (eat in every language). Zum Abschluß nehmen wir einen Tee mit Ausblick und wahnwitzige Bohnenpasten-Desserts. Diese milde Süße haut uns einfach um! Dann gehts zurück.

Parkhaus: 5,50$ für 1 Stunde, 37 Minuten -Highscore!

Ein Fast-Unfall mit asiatischer Demut

Die Navi führt uns sicher motelwärts als es passiert. Ein Autofahrer saust Andreas entgegen und mit quietschenden Reifen bleibt uns die Erfahrung als Tourist mit Unfall erspart. Der asiatische Autofahrer versinkt hinter seinem Steuer und starrt in Richtung Zigarrettenanzünder. Seine fast eingefrorenn Demutsbezeugung zeigt uns wie unterschiedlich die Kulturen hier beieinander leben. Einmal kräftig durchatmen und jetzt aber „nach Hause“. Überhaupt kommt der Verkehr mit wenigen Ampeln aus. In den Querstraßen stehen an allen vier Seiten Stopschilder. Dies vermeidet, dass man einfach so durchrasen kann, und es fördert die Kommunikation untereinander. Einer fährt halt und der Rest sortiert sich dann schon.

Sushi shum sheufzen

Um die Klammer perfekt zu machen besuchen wir Ginger & Wasabi als unsere letzte Station. Hier bekommen wir übrigens jedesmal ein Schälchen gekochter, grüner Soyabohnen zum knabbern. Sehr schmackhaft, sollten sie in Berlin auch einführen. Ich kann mich wieder nicht entscheiden und murmel etwas Unverständliches zwischen Deutsch und Englisch. Ich entschuldige mich beim Kellner und sage wir nennen das Germish. Er lacht lauhals auf und freut sich (man bedenke: Germs sind die Bakterien). Dann gibt es eine Achterbahn der Hochgenüsse – also diese Crabmeatschweinereien sind hier einfach der Knaller. Abschließend nochmal irgendwelche „jellyartigen“ mild-süßen unbeschreiblichen staubigen Würfelchen. Ein weiterer Grund, um dringend bald wieder zukommen, versprechen wir.

Wenn der Service besonders gut war, legt man einen Dime zur Rechnung. Seit einer Woche habe ich immer welche in der Tasche und wir lassen wieder einen da.

Garageneinfahrt

Garageneinfahrt

Mit Sonnenuntergang spazieren wir zu unserem Domizil. Der Wecker ist gestellt.

Drei Ausstellungen, die wir nicht besucht haben:

  • Big Mammal (und die Dinosaurier), aber die läuft uns nicht weg
  • Das Comic Museum (wir hätten Olga gerne etwas mitgebracht)
  • Das neue Aquarium (ist brandneu und wird noch eine Weile stehen)

Diese Reise war niemals anstrengend und sie war mehr als Urlaub. Wir kommen wieder, versprochen.

Danke Californien, danke San Francisco und danke fürs Mitlesen!

See U soon

just vibrate

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